Die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei überwinden Hindernisse

(VOVworld) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stattet Russland einen Besuch ab. Sein Besuch zieht die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf sich, weil die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei vor kurzem massive Anspannungen erlebt haben. Seine Dienstreise nach Russland wird als Chance betrachtet, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder zu verbessern und die langfristige Kooperation im Interesse des jeweiligen Landes anzukurbeln.

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Der russiche Präsident Wladimir Putin (l.) und der türkische Präsident Tayyip Erdogan.
(Foto: AFP/VNA)

 
Bei einem Gespräch einigten sich die Staatschefs von Russland und der Türkei darauf, die Beziehungen zu normalisieren. Beide Seiten sprachen darüber, das russische Verbot zum Import von Lebensmitteln aus der Türkei aufzuheben und die Flüge wieder in Betrieb zu nehmen. Andere Themen waren das Bauprojekt einer Öl-Pipeline, der Konflikt in Syrien, der Terrorkampf und andere Fragen. Die russische Seite bestätigt, die Sanktionen gegen die Türkei schrittweise aufzuheben. Russland bevorzugt es, die Beziehungen zwischen beiden Seiten wie der Stand vor der Krise zu verbessern. Der türkische Präsident brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, eine neue Phase in den bilateralen Beziehungen eröffnen zu können.

Der Besuch bricht das Eis

Der Besuch von Erdogan in Russland ist seine erste Dienstreise im Ausland nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei. Die “Säuberung” von Präsident Erdogan in den Reihen der Putschisten belastet die Beziehungen zwischen der Türkei und ihren westlichen Verbündeten. Nach dem Putsch äußerte die Türkei, dass die westlichen Verbündeten das Land nicht mehr unterstützen. Die Türkei warf sogar einigen westlichen Ländern vor, die Putschisten in der Türkei unterstützt zu haben. Die Reaktion Russlands war im Gegensatz mit den Reaktionen der westlichen Verbündeten der Türkei, da das Land keine Kritik an der “Säuberungsaktion” Erdogans nach dem Putsch verübte. Russland war eines der ersten Länder, das der türkischen Regierung Unterstützung nach dem gescheiterten Putsch zugesichert hatte. Deshalb ist es leicht zu verstehen, warum die Türkei durch den Besuch die Beziehungen zu Russland verbessern will.

Im November 2015 hat ein türkischer Pilot ein russisches Kampfflugzeug an der Grenze zu Syrien abgeschossen. Angesichts dieser Handlung wurde das Verhältnis zwischen beiden Staaten stark gestört. Es führte außerdem zu zahlreichen Strafmaßnahmen. Moskau hat Sanktionen gegen die Türkei verhängt. Hingegen verbot Ankara den Touristen aus Russland die Einreise. Die Spannungen zwischen beiden Seiten wurden aufgehoben, nachdem Präsident Erdogan sich offiziell für diese Handlung entschuldigte. Im Vorfeld des Besuchs erlaubte die türkische Behörde den Bürgern, wieder das bekannte russische Nachrichtenportal Sputnik besuchen zu dürfen. Das russische Nachrichtenportal wurde seit April 2016 in der Türkei verboten.

Annäherung für das gemeinsame Interesse

Angesichts der Spannungen zwischen der Türkei und den westlichen Ländern nach dem Putschversuch wird die Perspektive für eine neue Phase der Beziehungen zwischen der Türkei und Russland immer größer. Beide Staaten konkurrieren immer noch im Schwarzen Meer und im Nahen Osten. Aber sowohl Moskau, als auch Ankara strengen sich an, den Streit um die Fragen in Syrien und der Ukraine zu vermeiden. Dies kann eine strategische Zusammenarbeit im Projekt der Ölpipeline Turkstream und dem von Russland gebauten Atomkraftwerk in der Türkei sowie die Kooperation in Wirtschaft und Handel fördern. Bevor der russische Kampfjet vom Typ Su-24 abgeschossen wurde, wollten Russland und die Türkei das Handelsvolumen auf 100 Milliarden US-Dollar erhöhen. Aufgrund des Abbruchs der Zusammenarbeit mit der Türkei hatte Russland mit großen Verlusten zu kämpfen, vor allem da die Regierung des Präsidenten Wladimir Putin mit Sanktionen der westlichen Länder konfrontiert wird. Angesichts der Senkung des Öl-Preises erleidet der russische Staatshaushalt jährlich einen Verlust von 150 Milliarden US-Dollar. Die Türkei steht ebenfalls vor Herausforderungen aufgrund der Sicherheit und politischen Unruhe. Allein im ersten Halbjahr ereigneten sich in Ankara und Istanbul sieben terroristische Bombenanschläge. Dabei wurden mehr als 200 Menschen getötet. Der andauernde Konflikt mit den Kurden, der schon das Leben von rund 40.000 Menschen gekostet hat, eskaliert immer weiter. Die inländischen politischen Konflikte und der Machtkampf führten zum Regierungswechsel in der Türkei im Mai. Die Verbesserung der Beziehungen zu Russland hilft der Türkei deswegen dabei, nicht erneut in eine Krise zu geraten. Die Wiedergutmachung der Beziehungen kann der Wirtschaft Vorteile bringen. Der Tourismus in der Türkei war laut einer Statistik durch die Sanktionen Russlands schwer betroffen. Deshalb erhofft sich Präsident Erdogan, dass das gute Verhältnis zu Russland dem Land wirtschaftliche Vorteile bringen kann, welche die Türkei möglicherweise nicht von anderen Ländern bekommen kann. Umgekehrt kann Russland von der  Hilfe der Türkei, vor allem im Gasexport, profitieren.

Der Russland-Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan zeigt deutlich die Interesen und die guten Willen Ankaras, um die Zusammenarbeit mit Moskau wieder anzukurbeln. Die Spannungen zwischen beiden Verbündeten in den vergangenen Zeiten sind beendet.

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