Khuan Bang umfasst über 200 Hektar Fläche. Hier leben rund 60 Haushalte, die überwiegend der Volksgruppe der Tay angehören. Vor der Entwicklung des gemeindebasierten Tourismus lebten sie vor allem von Land- und Forstwirtschaft. Doch das Dorf besitzt ein ganz anderes „Kapital“: etwa 40 traditionelle Stelzenhäuser und die Tay-Kultur wie den Then-Gesang, die Tinh-Laute, Korbflechterei und Weberei. Hinzu kommen Naturschätze wie der Tam-Kha-See, der Khe-Cup-Wasserfall, der Nam-Tac-Hügel und die Tham-Hon-Höhle. Werte, die einst nur dem Dorfleben dienten, werden nun schrittweise zu touristischen Angeboten.

Im Stelzenhaus des Ehepaars Dat und Oanh wurden ehemalige Familienzimmer für Gäste renoviert. Die Sanitäranlagen wurden modernisiert. Der Hof und der Raum unter dem Stelzenhaus dienen nun als Aufenthalts- und Essbereich für Gäste. Obwohl das Ehepaar und weitere Familien erst seit Anfang 2026 im Tourismus tätig sind, sichert dieser ihnen bereits ein stabileres und höheres Einkommen als die reine Landwirtschaft.

Duong Van Dat, Inhaber des Homestays Dat Oanh, berichtet:

„Vor 2023 habe ich Akazien und Melonen angebaut. Das Leben war stabil, aber das Einkommen eher durchschnittlich. Als Khuan Bang 2023 offiziell als Ziel für gemeindebasierten Tourismus anerkannt wurde, gehörte meine Familie zu den ersten fünf Haushalten, die umgestiegen sind. Wir bauten das Haus um, stellten es 2025 fertig und empfangen seit Anfang 2026 Gäste. Der Tourismus bringt ein besseres Einkommen und ist körperlich weniger anstrengend als die Feldarbeit.“

Neben staatlichen Ressourcen investieren die Einheimischen selbst. Ein Förderprogramm mit zinslosen Krediten bis zu 17.000 Euro pro Haushalt ermöglicht Haushalten vor Ort, ihre Häuser zu Homestays umzubauen.

Über das Entwicklungspotenzial des Dorfes sagt Chu Thi Do, stellvertretende Direktorin des Zentrums für Tourismusförderung der Provinz Thai Nguyen:

„Einige Haushalte decken bereits die Grundbedürfnisse der Gäste ab – von Unterkunft und Essen bis hin zu Kultur und Erlebnissen. Um das Potenzial auszuschöpfen, muss das Angebot weiter diversifiziert werden. Dieser Ort eignet sich nicht nur für einheimische Besucher, sondern auch für internationale Gäste, die Ruhe suchen und lokale Kultur erleben möchten.“

Gerade diese Schlichtheit und das authentische Dorfleben hinterlassen bei Gästen bleibenden Eindruck. Hong Huong, eine Besucherin aus Hanoi, erzählt:

„Hier erlebt man den Alltag, die Kultur und die Bräuche der Tay. Die Einheimischen sind warmherzig und offen. Auch die unberührte Natur ist beeindruckend.“

Das Entscheidende in Khuan Bang ist, dass die Menschen nicht die Landwirtschaft für den Tourismus aufgeben müssen. Sie bauen weiterhin Tee an, halten Vieh und bewahren ihre traditionelle Lebensweise, den Then-Gesang sowie traditionelle Gerichte. Diese Werte werden nun jedoch mit dem Tourismusmarkt verknüpft, um ein zusätzliches Einkommen zu schaffen.

Bleiben die Gästezahlen stabil, wird in Zukunft nicht nur die Landwirtschaft die Menschen im Dorf halten. Es ist auch die Möglichkeit, aus dem eigenen Haus, den lokalen Produkten und der Kultur der Heimat eine echte Lebensgrundlage zu schaffen.