Architekt Nguyen Xuan Thang ist naher Verwandter eines gefallenen Soldaten. Seine Geschichte begann vor acht Jahren, als er während der Recherche von Informationen im Internet ein geschichtliches Foto sah. Das Foto zeigt eine Szene: Zahlreiche Leichen warten auf die Bestattung. Doch sah er keine Informationen auf dem Foto. Es gab keine einzige Bildunterschrift, die Aufschluss darüber geben konnte, wer die Personen waren oder wann und wo das Ereignis stattfand. Nguyen Xuan Thang hat aber nicht aufgegeben und begonnen, jedes kleines Detail im Foto sorgfältig zu analysieren, um nach historischen Codes zu suchen:

„Nach vielen Jahren konnte ich das zweite Foto finden. Darauf ist ein Mann zu sehen, der eine Flasche Antiseptikum hält und auf einem Friedhof steht. Glücklicherweise zeigt sich im Hintergrund des Fotos ein Wohngebiet mit Häuserreihen und einem Wasserturm. Erst nach unzähligen Abgleichen, Überprüfungen und Nachforschungen konnten wir feststellen, dass es sich dabei um den heutigen Le-Thi-Rieng-Park handelt.“

Ein wichtiger Wendepunkt bei der Suche war der Zugang von Nguyen Xuan Thang zu Archivmaterialien der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP. Nach der klaren Festlegung von Zeit und Ort begann ein Expertenteam unter der Leitung des Architekten Nguyen Xuan Thang mit der technischen Positionierungsarbeit. Die Experten haben Satellitenbilder und Luftaufnahmen des Gebiets rund um den Cho-Lon-Friedhof aus verschiedenen Zeitperioden wie den Jahren 1969, 1972 und 1975 miteinander abgeglichen. Aktueller Stand der Verifizierung: Die historischen Daten wurden auf dem Stadtplan von Ho-Chi-Minh-Stadt aus der Zeit nach 1975 sowie auf dem heutigen Stadtplan dargestellt. Dazu Oberst Bui Yen Tinh, Vizeleiter der Operationsabteilung im Generalstab der Volksarmee im Verteidigungsministerium:

„Die Forschungen des Expertenteams haben fast acht Jahre gedauert, und zwar von November 2018 bis Mai 2026. Allein die Feststellung, dass diese drei Fotos im Gebiet des heutigen Le-Thi-Rieng-Parks – des früheren Chi Hoa-Cho Quan-Friedhofs – aufgenommen wurden, kostete das Team vier Jahre Forschungsarbeit, um diese Frage präzise zu beantworten.“

Während der Suche nach den Spuren der Gräber von Gefallenen haben einige Zeitzeugen besondere Informationen ergänzt.

- Während des Neujahrsfestes 1968, so gegen neun oder zehn Uhr morgen, einen Tag nach den ersten Schüssen, liefen meine Freunde und ich zum Friedhof, um zu spielen. Dort sahen wir mit eigenen Augen, wie dort Menschen in einem Massengrab beerdigt wurden.

- Damals ereignete sich im Ong Ta-Bay Hien-Gebiet ein heftiger Schusswechsel. Ich sah viele Hubschrauber, die sehr viele Schüsse abfeuerten. Aus Neugier ging ich über den Do-Thanh-Friedhof und sah dort zahlreiche Leichen, die auf das Gelände neben dem Leichenhaus gelegt wurden.“

- Ich erinnere mich deutlich an einen Zwischenfall, der sich während des Baus des Le-Thi-Rieng-Parks im Jahr 1987 ereignete. Bei Bauarbeiten wurden durch die Planierraupe viele Skelettstücke freigelegt. Ich war damals Wärter und sah dort viele Arm- und Beinknochen, Kleidungsstücke, Gewehrmagazine, Gummi-Sandalen und sogar eine Handgranate mit eigenen Augen.

Laut Brigadegeneral Tran Chi Tam, Leiter des nationalen Verwaltungsstabs für die Suche, Bergung und Identifizierung der sterblichen Überreste von Gefallenen der Militärzone 7, konnten zwischen 900 und 1000 Gefallenen im Le-Thi-Rieng-Park beigesetzt werden.

Dort läuft derzeit die stille Arbeit der Offiziere und Soldaten, um nach den sterblichen Überresten von gefallenen Soldaten aus der Generaloffensive im Frühling 1968 zu suchen und sie nach vielen Jahrzehnten in die Heimat zurückzubringen.