Doch hinter den Toren des Zentrums für Unterstützung von Agent-Orange-Opfer und benachteiligten Kindern in der zentralvietnamesischen Stadt Da Nang wird dieser Schmerz jeden Tag durch die Geduld und die Nächstenliebe der Lehrerinnen und Lehrer gelindert.
Um das Wort „Hallo“ aussprechen zu können, müssen sich die Kinder, die vom Giftstoff Agent-Orange betroffen sind, sehr anstrengen. Auch wenn die Worte noch zögerlich und undeutlich klingen, gelten sie als Beginn eines neuen Tags im Zentrum für die Unterstützung von Agent-Orange-Opfern und benachteiligten Kindern in Da Nang. Bei der Begrüßung jeden Morgen beobachten die Lehrer aufmerksam jeden Blick und jeden Gesichtsausdruck der Kinder, darunter auch die Lehrerin Phan Thi Thanh:
„Die Kinder hier sind entweder froh oder traurig. Sie teilen gern ihre Gefühle mit den Lehrerinnen. Ich möchte mich in die Situation der Kinder versetzen, um Mitgefühl für sie zu haben. Mit nur einem Umarmen können sie schon die Sympathie wahrnehmen.“
Im Zentrum werden derzeit 43 Kinder betreut. Die meisten von ihnen haben eine geistige Behinderung oder Down-Syndrom, einige sind körperbehindert. Dort werden die Kinder nicht nur rehabilitiert, sondern lernen auch Schreiben, basteln Stoffblumen oder arbeiten sorgfältig mit Nadel und Faden.
Beim Umgang mit den Kindern begegnen Lehrerinnen und Lehrer zahlreiche Schwierigkeiten. Wegen der schweren Auswirkungen des dioxinhaltigen Entlaubungsmittels Agent-Orange fällt den meisten Kindern das Lernen sehr schwer – es fällt ihnen extrem schwer, sich zu konzentrieren. Sie brauchen lange Zeit, um sich etwas zu merken und vergessen es rasch wieder. Die 33-jährige Ho Thi Trieu ist eines von wenigen Dioxinopfern im Zentrum, die kommunizieren können:
„Ich mag das Lernen und das Nähen von Hosen. Nach zwei Monaten konnte ich Shorts für Ngan – eine Freundin – nähen. Die Lehrerin hat Duyen und mir das Schneidern beigebracht.“
Nicht weit vom Nähwerk entfernt befindet sich der Unterrichtsraum für die Herstellung von Kräuter-Räucherstäbchen. Der Mann, der unterrichtet, ist selbst ein Agent-Orange-Opfer und heißt Nguyen Ngoc Phuong.
„Ich habe den Kindern mitgeteilt, wie ich Selbstvertrauen gewinne. Während der Berufsbildung können sie manchmal Produkte erfolgreich herstellen. Kunden kommen und kaufen diese Produkte. Darüber freuen die Kinder sich sehr. Daher will ich sie immer wieder ermutigen, selbstbewusst zu sein. Was heute noch nicht schön ist, wird morgen schön sein. Was heute noch nicht so gut gelingt, kann morgen schon besser werden.“
Die von Dioxinopfern hergestellten Produkte seien Waren, die verkauft werden, um Hilfsfonds für Agent-Orange-Opfer zu bilden, sagt die Vizedirektorin des Zentrums für Unterstützung von Agent-Orange-Opfern und benachteiligten Kindern in Da Nang, Vo Thi Thu:
„Viele von ihnen verstehen ihr Verhalten nicht vollständig. Wir wünschen uns, dass sie gesund bleiben und Fähigkeiten erlernen, um für sich selbst sorgen zu können. Wir hoffen auch, dass sie Berufe erlernen können, damit wir ihnen helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Aber das ist sehr schwierig, weil die Fälle hier sehr schwerwiegend sind. Vor kurzem konnte sich eine Person erfolgreich in die Gemeinschaft eingliedern und arbeitet nun in einem Textilunternehmen. Das ist unser größter Erfolg.“
Jeder kleine Fortschritt der Kinder wird von den Lehrern sorgfältig beobachtet und aufgezeichnet. Die Liebe und Fürsorge der Lehrer können den Schmerz lindern und werden jeden Tag mit dem unschuldigen und strahlenden Lächeln auf Gesichtern der Kinder erwidert. Dieses Lächeln vermindert Tag für Tag den körperlichen Schmerz und weckt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
