40 herausragende Werke des Kinder-Malwettbewerbs „Erbe in meinen Augen“ werden im Kulturraum Ho Van, der zur nationalen Sonderstätte des Literaturtempels in Hanoi gehört, ausgestellt.

In der klassischen Atmosphäre des Literaturtempels wirken die farbenfrohen Zeichnungen der Kinder wie lebendige Fragmente der vietnamesischen Kultur. Mit unbeschwerten Pinselstrichen erzählen sie Geschichten über Vietnams Erbe – aus einer reinen, emotionalen und äußerst kreativen Perspektive. Die Halong-Bucht, ein Weltnaturerbe, erwacht im Bild der 11-jährigen Pham Chau Au auf faszinierende Weise zum Leben:

„Ich habe den Felsen von Kampfhähnen in der Halong-Bucht gemalt. Die Meereslandschaft bei Sonnenuntergang leuchtet richtig, und die Sonne ist so gelb wie ein riesiges Eidotter. Am Himmel habe ich zwei Tauben mit Olivenzweigen im Schnabel gezeichnet, weil ich mir eine friedliche Welt wünsche. “

Mit ihrem Bild vom Pavillon des Sternbildes der Literatur – einem architektonischen Bauwerk innerhalb des Literaturtempels – vermittelt die 13-jährige Pham Nguyet Lam auf ihre ganz eigene Art eine Botschaft über den traditionellen Lerneifer von Vietnamesen:

„Ich will den Wert des Pavillons des Sternbildes der Literatur darstellen. Er ist das Symbol für Weisheit und Wissensdurst. Die Spiralen auf meinem Bild stehen für die Weitergabe des traditionellen Lerneifers von Generation zu Generation. Ich habe viele leuchtende Farben benutzt, um die Einzigartigkeit der vietnamesischen Kultur zu zeigen – und um deutlich zu machen, dass diese Werte niemals verblassen.“

In dem Bild „Das Erbe berühren“ der 14-jährigen Nguyen Vu Bao Lam zeigt sich das Kulturerbe von seiner alltäglichsten Seite:

„Die Hauptrolle in meinem Bild spielt eine Schüssel Pho-Nudelsuppe mit Rindfleisch, das ist mein absolutes Lieblingsessen. Aus der Schüssel steigen Dampfschwaden auf, und darin verbergen sich vietnamesische Kulturerbestätten: das Wasserpuppentheater, der Literaturtempel und die alten Häuser in der Altstadt, die meine Familie jedes Wochenende besucht.“

Neben offiziell anerkannten Stätten finden sich auch Bilder des „alltäglichen Erbes“: „Die Nähmaschine der Oma“ oder „Oma und ihre Freundinnen unterhalten sich“. Professorin Tran Thi An, Vorsitzende des Hanoier Verbands für Volkskunst und -literatur, zeigte sich von den Werken der Kinder tief beeindruckt. Durch die Augen der Kinder sei das Erbe etwas Vertrautes, etwas, das von Generation zu Generation weitergegeben werde.

„Was ist Kulturerbe?“ – Diese sehr tiefgründige Frage der Kulturerbe-Forschung haben die Kinder auf eine natürliche Weise beantwortet: Alles kann ein Erbe sein. Sie haben das Erbe extrem lebendig dargestellt und erzählen Geschichten von einem Kulturerbe, das mitten in unserem Alltag existiert. „Lebendiges Erbe“ ist auch für die Forschung und die kulturelle Praxis von großer Bedeutung.“

Der Malwettbewerb „Erbe in meinen Augen“ wurde vom Zentrum für kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten des Literaturtempels in Zusammenarbeit mit dem Art Tree Kunststudio und der Hochschule für interdisziplinäre Wissenschaften und Künste der Nationaluniversität Hanoi organisiert – anlässlich des 950-jährigen Bestehens des Literaturtempels. Nach gut einem Monat erhielten die Veranstalter fast 500 Einsendungen von Kindern zwischen 4 und 15 Jahren aus dem ganzen Land. Doktor Le Xuan Kieu, Direktor des Zentrums, ist überzeugt, dass die ausgestellten Bilder dazu beitragen werden, die Schönheit und die Liebe zum Erbe in der Gesellschaft zu verbreiten.

„Derzeit strebt der Literaturtempel an, ein Zentrum für Kreativität und Kulturaktivitäten Hanois zu werden. Daher kooperieren wir mit verschiedenen Organisationen, um Wettbewerbe wie diesen zu veranstalten. Er ist nicht nur ein künstlerischer Spielplatz für Kinder, sondern trägt auch dazu bei, die Liebe zum Erbe zu wecken und das Bewusstsein für die Bewahrung und Förderung traditioneller Kulturwerte in der heutigen jungen Generation zu stärken.“

Nach dem Ende der Ausstellung in Ho Van werden die 40 besten Bilder des Wettbewerbs im Museum Hanois der Öffentlichkeit präsentiert. Im Anschluss planen die Organisatoren, Sponsoren für den Kauf der Kunstwerke zu gewinnen. Der Erlös soll einem Hilfsfonds für bedürftige Kinder in den Bergregionen zugutekommen.