Die in verschiedene Formen zugeschnittenen Papierstücke werden auf dem Opfertablett arrangiert. In allen spirituellen Ritualen der Volksgruppe der Mong, von freudigen Anlässen wie Hochzeiten bis hin zu traurigen Ereignissen wie Beerdigungen oder wichtigen Zeremonien, ist Bambuspapier unverzichtbar. Seit Generationen trägt dieses einfache Stück Papier die wichtige Aufgabe, der göttlichen Welt die Gebete und Friedenswünsche der Menschen zu übermitteln. Dazu Sung Y Do:
„Wir stellen Bambuspapier für unsere traditionellen Zeremonien her, wie zum Beispiel für die Feierlichkeiten zum Mondneujahr und die Gedenktage unserer Vorfahren.“
Bilder von Frauen der Mong, die fleißig auf ihren Veranden Bambuspapier herstellten, waren in Cha Day in der Vergangenheit sehr oft zu sehen. Doch heute üben nur noch etwa vier Familien im Dorf dieses traditionelle Handwerk aus.
In der sengenden Mittagssonne des Sommers rührt Phang Y Xi in ihrem Hof hastig einen Bottich mit dickflüssigem Bambus-Faserbrei um, bevor sie es vorsichtig auf ein Filtersieb gießt. Ein quadratischer Bambusrahmen, kombiniert mit einem Filtersieb, fängt den geschmeidigen Brei auf. Die Wassertropfen rinnen herab und geben nach und nach die gelbe Papieroberfläche frei. Anschließend wird jedes Papierblatt in der Sonne getrocknet.
Im Alter von 71 Jahren ist Phang Y Xi eine der wenigen älteren Menschen im Dorf Cha Day, die sich noch mit der Herstellung von Bambuspapier beschäftigen. Für sie ist jedes Blatt Bambuspapier nicht nur das Ergebnis mühsamer Handarbeit, sondern verkörpert auch den Wunsch, die uralten Traditionen ihrer Vorfahren zu bewahren.
„Vor dem Neujahrsfest der Mong fällen die Mong Bambusstängel, entfernen die grüne Außenschicht und kochen die Bambusstängel etwa ein bis zwei Tage lang mit Holzasche, bis die Stängel weich werden. Anschließend wird der Bambus weitere ein bis zwei Wochen in Wasser eingeweicht, bis er noch weicher wird. Dann klopfen wir die Stängel und Fasern fein, zerstampfen sie zu einem zarten Brei und verrühren ihn gut mit Wasser. Diese Mischung wird auf ein Sieb genossen. Nach ein bis zwei Tagen Sonnentrocknung ist das Papier trocken und kann einfach abgezogen werden.“.“
Für den jungen Phang A Trưong war seine Kindheit geprägt von Tagen, an denen er seiner Großmutter und Mutter in den Wald folgte, um Bambus für die Papierherstellung zu schneiden. In Truongs Erinnerung waren die schönsten Momente die Tage vor dem traditionellen Neujahrsfest, als er und sein Vater den Altar mit neuem Bambuspapier auskleideten. Damals erzählte ihm sein Vater von der kulturellen Tradition des Dorfes, die mit dieser besonderen Papiersorte verbunden ist.
„Beim Neujahrsfest schnitt mein Vater Bambuspapier, um den Altar zu schmücken, und schlachtete einen großen Hahn, um ihn als Opfergabe auf dem neu errichteten Altar darzubringen. Er nahm eine Feder von dem geschlachteten Huhn, tauchte sie in etwas von seinem Blut und steckte sie auf den Altar.“
Heutzutage wird Bambuspapier im Leben der Mong auf vielfältigere Weise verwendet, beispielsweise zur Herstellung von Wandtapeten und Souvenirs. Anstelle seines ursprünglichen rustikalen Aussehens wird das Bambuspapier kreativ mit natürlichen Blumen und Blättern kombiniert, um seine ästhetische Wirkung zu verstärken. Phang A Truong machte diese einzigartige kulturelle Schönheit den Touristen bekannt. Er erzählt:
„Ich möchte, dass Touristen mehr über den Herstellungsprozess von Bambuspapier erfahren. Ich teile meine Techniken mit ihnen, damit sie die Kultur meines Volkes erleben und besser verstehen können.“
Das Bambuspapier verkörpert heute nicht nur das spirituelle Leben der Volksgruppe der Mong, sondern öffnet auch die Tür, die Kultur des Dorfes Touristen aus aller Welt näherzubringen.
