Während des Sene-Dolta-Festes beginnen Familien in Khmer-Dörfern sehr früh mit der Vorbereitung ihrer Opfergaben. Die Reisbällchen, bestehend aus einer Mischung aus Klebreis, Bohnen, Sesamsamen und Kokosnuss, werden zusammen mit verschiedenen Kuchensorten, Räucherstäbchen, Kerzen und anderen Opfergaben zur Pagode gebracht. Hier werden Reisbällchen um den Hauptbereich herum platziert. Thach Chanh, ein Zeremonienmeister im Wohnviertel Nguyet Hoa erklärt:
„Dieses Ritual wird nach dem Abschluss der Zeremonie zur Ehrung der Drei Juwelen des Buddhismus vollzogen. Anschließend rezitieren die Mönche Gebete für die Verstorbenen und die umherirrenden Geister und laden sie ein, den Drei Juwelen zu huldigen und die von den Nachkommen dargebrachten Speiseopfer zu genießen.“
Das Ritual des Darbringens von Reisbällchen findet innerhalb von zwei Wochen statt. Nach der Auffassung der Khmer-Gemeinschaft ist dies eine Zeit, in der Geister zurückkehren können, um ihre Angehörigen aufzusuchen und Nahrung zu empfangen. Thach Sa Mit, der ein tiefes Verständnis für Khmer-Bräuche hat, sagt:
„Der Zeitraum vom 16. bis zum 30. Tag des Mondmonats ist die Phase des abnehmenden Mondes. Die Khmer glauben, dass sich unter ihren verstorbenen Vorfahren möglicherweise einige befinden, die böse Taten begangen haben und infolgedessen in die Hölle verstoßen wurden. Diese verstorbenen Menschen haben manchmal keine Kleidung. Daher werden während der abnehmenden Mondphase Opfergaben dargebracht, damit die Empfänger nicht von anderen gesehen werden.“
Aufgrund dieser Überzeugung ist die Zubereitung von Reisbällchen mehr als nur ein religiöses Ritual. Es ist zudem eine Möglichkeit für die Lebenden, ihre Dankbarkeit gegenüber den Verstorbenen zum Ausdruck zu bringen. In diesen Tagen kehren diejenigen, die weit weg arbeiten, nach Hause zurück. Die Älteren bereiten die Opfergaben vor, wobei sich die Jüngeren daran beteiligen. So wird sichergestellt, dass jede Generation an ihre Wurzeln sowie an die Tugend der kindlichen Pietät erinnert wird. In der Pagode gibt es während des Sene-Dolta-Festes somit nicht nur Rituale, sondern auch Lehren, die weitergegeben werden. Tep Binh, ein Zeremonienmeister in der Gemeinde Phong Thanh sagt:
„Während des Rituals der Darbringung von Reisbällchen hören wir das Parabhava Sutra, das von Mönchen rezitiert wird. Es handelt sich um 12 Ursachen für einen Niedergang, die jeder vermeiden sollte. Wenn es den Menschen gelingt, diese 12 Fehler zu vermeiden, dann wird es ihnen selbst, ihren Familien und der Gesellschaft insgesamt besser gehen.“
Über viele Generationen hinweg wird der Brauch, Reisbällchen darzubringen, von der Volksgruppe Khmer bewahrt. Dieses Ritual hat sich zu einem Brauch entwickelt, der reich an humanistischen Werten ist und tief mit dem kulturellen und spirituellen Leben der Volksgruppe der Khmer verbunden ist.
