Der Berg Non Nuoc in der Gemeinde Hoa Lu in der nordvietnamesischen Provinz Ninh Binh gilt als unschätzbares Museum der Naturpoesie, mit einem System von „Ma Nhai“-Steinstelen, das sich vom Fuß des Berges bis zum Gipfel erstreckt. „Ma“ bedeutet schleifen, polieren, und „Nhai“ bedeutet Felswand. „Ma nhai“ ist eine Art von Inschrift, die in die Felswand gemeißelt wird. Auf dem Berg Non Nuoc sind noch 43 Steinstellen erhalten. Diese Werke sind einzigartig, da sie direkt in die Felswand gemeißelt wurden und aus sieben Jahrhunderten und fünf Dynastien stammen, beginnend mit der Tran-Dynastie im 14. Jahrhundert und endend im 20. Jahrhundert unter der Herrschaft von Bao Dai. Nasir Uddin, Botschaftsrat der Volksrepublik Bangladesch in Vietnam, sagt:

„Diese Steinstellen haben die Stimme Vietnams in den letzten sieben Jahrhunderten bewahrt. Sie enthalten die Geschichte, Kultur und literarische Tradition Vietnams aus verschiedenen Dynastien. Dadurch können wir lernen, wie die Vietnamesen über die Jahrhunderte hinweg gedacht, gelebt und sich auf wunderschöne Weise ausgedrückt haben. Dies stellt eine wertvolle Quelle für Wissen, Forschung und Tourismusentwicklung dar, nicht nur für Vietnam, sondern auch für die internationale Gemeinschaft.“

Durch die Kunst, Steinoberflächen zu schleifen, um Schriftzeichen einzugravieren, sind „Ma Nhai“ eine harmonische Mischung aus Kalligrafie und Natur, mit dekorativen Motiven, die von der vietnamesischen Kultur geprägt sind. Die Inschriften spiegeln auch Landbesitzsystem, volksmedizinische Praktiken und soziale Hilfe wider und würdigen insbesondere mehrere Damen, die die Menschen geholfen haben. Dazu Truong Dinh Tuong, Vorsitzender des Verbands für Geschichtswissenschaft der Provinz Ninh Binh:

„Dieser Ort bewahrt den Dialog der Elite des Landes mit der Natur, der durch die Poesie geführt wurde. Der Wert des Berges Non Nuoc liegt nicht nur in den in die Felsen eingravierten Texten, sondern auch im Prozess, durch den viele Generationen von Menschen gemeinsam ein kulturelles Epos auf demselben Berg geschrieben haben.“

Das System der Steinstellen auf dem Berg Non Nuoc ist ein Beweis für die alte vietnamesische Schrift und Sprache. Von den 43 erhaltenen Stelen sind 37 in der klassischen Han-Nom-Schrift und 6 in der modernen vietnamesischen Schrift verfasst. Im Jahr 1912 nutzte der französische Professor, Henri Maspéro, Inschriften vom Berg Non Nuoc, um die phonetische Geschichte der vietnamesischen Sprache zu erforschen. Diese Forschungsergebnisse wurden dann in der Zeitschrift des Französischen Instituts für Fernoststudien veröffentlicht. 95 Jahre später besuchte auch ein japanischer Gelehrter den Berg Non Nuoc und führte eingehende Forschungen zur Nom-Schrift durch. Doktor Nguyen Tuan Cuong, der ehemalige Leiter des Forschungsinstitut für Han-Nom-Schrift, sagt:

„Dies sind äußerst wertvolle Forschungsarbeiten. Das vietnamesische Kulturerbe wurde von einem Franzosen erforscht und von einem japanischen Professor ergänzt, aktualisiert und überarbeitet. Dies ist ein überzeugender Beweis für die internationale Bedeutung der Inschriften auf dem Berg Non Nuoc aus der Sicht von Forschern.“

Die Behörden bereiten ein Dossier vor, das dem „Memory of the World“-Komitee für die Asien-Pazifik-Region der UN-Kulturorganisation (UNESCO) zur Prüfung und Anerkennung der Inschriften auf dem Berg Non Nuoc als Dokumentenerbe vorgelegt werden soll. Die Provinz Ninh Binh hat ebenfalls Verpflichtungen und Pläne abgegeben, um dieses Erbe nachhaltig zu bewahren. Vu Thanh Lich, Vize-Direktorin der Kultur- und Sportbehörde der Provinz Ninh Binh, berichtet:

„Die Einreichung der Inschriften auf dem Berg Non Nuoc bei der UNESCO zur Anerkennung als Dokumentenerbe ist ein Weg, einen lokalen kulturellen Wert in ein gemeinsames Gut der internationalen Gemeinschaft zu verwandeln. Wir setzen uns dafür ein, die Authentizität des Kulturerbes in seinem ursprünglichen Zustand zu bewahren, die Digitalisierung voranzutreiben und offene Datenbanken aufzubauen, um die Forschungen im In- und Ausland zu erleichtern.“

Die Steinstellen in der natürlichen Schönheit von Ninh Binh bieten nun die Gelegenheit, Vietnams Wert auf der globalen Kulturerbekarte zu präsentieren. Jede in die Felswand eingemeißelte Inschrift birgt Botschaften, die über Generationen hinweg den Stolz nähren.