(VOVWORLD) - In der traditionellen vietnamesischen Kultur ist der Brauch, zu Jahresbeginn Schriftzeichen zu erbitten, weit mehr als eine ästhetische Gewohnheit.
Neujahrs-Kalligrafie ist eine Tradition der Vietnamesen. (Foto: VOV) |
Er ist ein bedeutendes Symbol, gewachsen aus Bildungsstreben, moralischer Lebensführung und dem über Generationen bewahrten Wunsch nach sittlicher Vervollkommnung.
Seit jeher galten Schriftzeichen nicht nur als Mittel der Kommunikation, sondern auch als Maßstab für Bildung, Charakter und Ethik. Bildung wurde als Weg verstanden, den Menschen zu formen, die Seele zu kultivieren und ein stabiles Fundament für die Gesellschaft zu schaffen. Das Erbitten von Schriftzeichen zum Frühlingsbeginn ist daher Ausdruck von Respekt gegenüber Wissen und zugleich ein Wunsch, geistige Werte für das neue Jahr und den weiteren Lebensweg zu festigen.
Im geistigen Leben spiegelt dieser Brauch das Streben nach positiven Werten wider. Schriften wie „Phuc“ (Glück), „Loc“ (Wohlstand), „Tho“ (Langlebigkeit) oder „An“ (Frieden) stehen für den Wunsch nach einem erfüllten und harmonischen Leben. Andere Schriftzeichen wie „Tri“ (Weisheit), „Nhan“ (Geduld), „Tam“ (Herz, Gewissen) oder „Hieu“ (Kindsfrömmigkeit) tragen eine tiefere Lebensphilosophie in sich und erinnern an Verantwortung gegenüber Familie und Gesellschaft. Jede einzelne Schrift wird so zu einer moralischen Botschaft und zu einem kulturellen Symbol.
Auch im heutigen Leben hat der Brauch eine besondere Bedeutung. In einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft mit immer schnellerem Lebensrhythmus wächst das Bedürfnis nach innerer Balance.