65 Jahre lang hat Vietnam Verantwortung für die Agent-Orange-Opfer übernommen und zugleich internationale Zusammenarbeit über historische Unterschiede hinweg gefördert.
Alle Ressourcen mobilisieren
Die Folgen des Giftstoffs Agent Orange sind bis heute schwerwiegend. Nach vietnamesischen Angaben waren rund 4,8 Millionen Menschen dem Gift ausgesetzt, etwa 3,1 Millionen davon gelten als direkte Opfer. Die gesundheitlichen Folgen können über Generationen fortbestehen. Nguyen Tan Dau, ein Agent-Orange-Opfer aus Quang Tri, berichtet:
„Ich war von 1968 bis 1971 auf dem Schlachtfeld der Militärzone 5 im Einsatz. Ich wurde selbst mit Agent Orange belastet und leide an mehreren Krankheiten. Heute kann ich insbesondere meine Funktion als Mann nicht mehr erfüllen. Ich habe zehn Kinder bekommen, aber fünf sind gestorben und eines wurde mit Behinderungen geboren.“
Vietnam hat seine Politik zur Unterstützung der Agent-Orange-Opfer schrittweise ausgebaut. Seit 1998 wurden drei Verordnungen zu Leistungen für Menschen mit Verdiensten um das Land verabschiedet, darunter für jene, die durch chemische Giftstoffe geschädigt wurden, und deren leibliche Kinder. Hinzu kommen staatliche Hilfen für Lebensunterhalt, Gesundheitsversorgung, Rehabilitation, Berufsausbildung und Existenzsicherung.
Auch der Verband der vietnamesischen Agent-Orange-Opfer setzt sich für die Rechte der Betroffenen ein. Oberst Pham Xuan Hung, Vizevorsitzender des Verbandes, erklärt:
„Der Kampf um Gerechtigkeit ist sehr schwierig und mühsam. Wir unterstützen derzeit Agent-Orange-Opfer Tran To Nga, das sowohl die französische als auch die vietnamesische Staatsangehörigkeit besitzt. Tran To Nga kämpft für die Rechte der Opfer und fordert, dass die US-Chemiekonzerne Verantwortung für die Folgen des Einsatzes chemischer Giftstoffe im Vietnamkrieg übernehmen. Wir gehen jedoch davon aus, dass dieser Kampf noch lange dauern wird.“
Internationale Zusammenarbeit stärken
Angesichts des Ausmaßes der Kriegsschäden kann Vietnam diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Deshalb arbeitet das Land mit Regierungen, internationalen Organisationen und Wissenschaftlern zusammen. Die Kooperation umfasst unter anderem die Unterstützung von Opfern, Rehabilitation sowie die Sanierung belasteter Gebiete.
Besonders die Zusammenarbeit zwischen Vietnam und den USA hat sich zu einem wichtigen Bereich des gegenseitigen Vertrauens entwickelt.
Am Flughafen Da Nang wurden 32,4 Hektar belasteten Bodens saniert und 2018 übergeben. Am Flughafen Bien Hoa läuft ein Sanierungsprojekt von 2020 bis 2030 mit einer US-Zusage von 183 Millionen US-Dollar. Bis Oktober 2025 wurden mehr als sechs Hektar gereinigtes Land übergeben. Der damalige US-Botschafter in Vietnam, Marc Knapper, betonte bei der Übergabe:
„Heute ist ein besonders bedeutender Tag, an dem wir drei wichtige Ereignisse begehen. Das sind die Übergabe von sechs Hektar dioxinfreiem Boden, die Unterzeichnung einer Ergänzung zum Abkommen über die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen mit zusätzlichen 32 Millionen US-Dollar und der Baubeginn einer neuen thermischen Behandlungsanlage. Diese Zusammenarbeit zur Bewältigung der Kriegsschäden bildet eine Grundlage für Freundschaft und Partnerschaft, schafft Vertrauen und fördert die Versöhnung zwischen unseren beiden Ländern.“
65 Jahre nach dem ersten Einsatz von Entlaubungsmitteln durch die US-Armee setzt Vietnam die Bewältigung der Folgen von Agent Orange fort. Aus den Wunden des Krieges soll Versöhnung entstehen, aus historischen Gegensätzen Zusammenarbeit. Das Gedenken an 65 Jahre der Agent-Orange-Katastrophe erinnert damit auch an den Wert von Frieden und daran, die Vergangenheit zu heilen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.
