Am frühen Morgen des Sonntags haben rund 600 ukrainische Drohnen (UAVs) die Region Moskau angegriffen. Dies markierte den bislang größen Drohnenangriff auf die russische Hauptstadt seit Ausbruch des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine im Februar 2022. Dieser Schritt folgt auf ähnliche, groß angelegte Raketen- und Drohnenangriffe Russlands auf ukrainisches Gebiet in den vorangegangenen Tagen.

Zunehmende Schäden für die Zivilisten

Nach einer relativ langen Phase der Stagnation hat sich der Russland-Ukraine-Konflikt in diesem Sommer wieder verschärft. Russland hat seine groß angelegten Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf ukrainische Städte, insbesondere auf die Hauptstadt Kiew, verstärkt. Unterdessen führte die Ukraine zahlreiche Drohnenangriffe auf Energieinfrastruktur sowie auf Logistikeinrichtungen tief im russischen Staatsgebiet durch.

Laut Daten der Menschenrechtsbeobachtungsmission der Vereinten Nationen in der Ukraine (HRMMU) wurden im Juli 2026 in der Ukraine mehr als 430 Zivilisten getötet und über 2.600 verletzt. In Russland kamen etwa 80 Menschen ums Leben, und mehr als 600 wurden verletzt. Auch die Zahl der zerstörten zivilen Ziele auf beiden Seiten nimmt stetig zu. Der stellvertretende Sprecher der Vereinten Nationen, Farhan Haq, sagt:

„Diese jüngste Angriffsserie folgt einem alarmierenden Muster eskalierender Schläge gegen besiedelte Gebiete, die Berichten zufolge zu einem Rekordanstieg der Zahl ziviler Opfer sowie zu weitgehender Zerstörung von Wohnraum und ziviler Infrastruktur in der Ukraine, und zunehmend auch in Russland, geführt haben.“

Nach Ansicht vieler Militärexperten hat der jüngste Zyklus eskalierender gegenseitiger Angriffe und Vergeltungsmaßnahmen zwischen Russland und der Ukraine dazu geführt, dass die Auffassung, es gebe „keine militärische Lösung“ für den Konflikt, zunehmend missachtet wird. Russland verstärkt die Waffenproduktion, während die US-Regierung erwägt, der Ukraine die Herstellung von Patriot-Luftabwehrraketen zu gestatten. Dies deutet darauf hin, dass sich beide Seiten auf einen langwierigen Konflikt vorbereiten. Thomas Withington, Forschungsexperte am Royal United Services Institute (RUSI), stellt fest:

“Dies wird keine Lösung für die Waffenproblematik sein, oder mit anderen Worten: Es wird keine Lösung für die Bedrohungen durch die Luftabwehr sein, denen sich die Ukraine in naher Zukunft gegenübersehen wird. Was es jedoch bewirken wird, ist, Russland zu zeigen, dass sich die Ukraine auf einen langwierigen Luftkrieg vorbereitet und bereit ist, sich in einem solchen zu verteidigen. Es ist also ein wichtiges politisches Signal an Russland.”

Eskalierende Konfrontation

Die zunehmend komplexen Konfrontationen zwischen Russland und dem Nordatlantischen Militärbündnis (NATO) lassen auch besorgniserregende Anzeichen im Hinblick auf den Russland-Ukraine-Konflikt erkennen. Am Sonntag gab das rumänische Verteidigungsministerium bekannt, dass spanische Kampfflugzeuge eine Drohne abgeschossen haben, die nahe der Grenze zur Ukraine und zu Moldau in den Luftraum des Landes eingedrungen war. Derartige Vorfälle treten immer häufiger auf, die von Polen bis zu den NATO-Mitgliedern im Baltikum und auf dem Balkan reichen und sich sogar bis nach Deutschland und Frankreich erstrecken. Die europäischen Politiker warnen zunehmend vor Konfliktformen, die zwar inoffiziell und unkonventionell sind, aber dennoch schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können.

Die Eskalation zwischen Russland und der Ukraine spiegelt auch das Scheitern der diplomatischen Bemühungen wider, die die USA und Russland seit dem im vergangenen August in Alaska abgehaltenen Gipfeltreffen verfolgt haben. Moskau hat in jüngster Zeit von den USA eine klare Antwort auf die Frage nach Washingtons Rolle bei den eskalierenden ukrainischen Angriffen auf Russland gefordert. Der russische Außenminister, Sergei Lawrow, erklärt:

„Wir haben dem US-Außenministerium eine Reihe von Fragen gestellt und um eine Stellungnahme gebeten. Diese betreffen unter anderem nachrichtendienstliche Angelegenheiten und, noch bedeutsamer, weitaus tiefer greifende Probleme. Dies erstreckt sich auf die Organisation und Durchführung von Angriffen auf zivile Ziele tief im russischen Territorium. Wir erwarten eine Antwort.“

Angesichts auf die europäischen Staaten erklärte der russische Präsident, Wladimir Putin, am 12. August, Russland werde gleichermaßen reagieren, sollten diese weiterhin russische Handelsschiffe festsetzen. Dies ist das erste Mal, dass Russlands oberster Leiter eine direkte Warnung vor Vergeltungsmaßnahmen ausgesprochen hat. Dies spiegelt die zunehmende Konfrontation zwischen den beiden Seiten wider, die eine gefährliche Schwelle erreicht hat und Gefahr läuft, im Rahmen eines Konflikts zwischen Russland und der Ukraine außer Kontrolle zu geraten.