Der neue Generalsekretär der Vereinten Nationen wird sein Amt am 1. Januar 2027 antreten und löst damit Antonio Guterres ab, der das Amt fast zehn Jahre lang innehat.

Das Rennen zwischen zwischen Kandidaten

Der Prozess zur Auswahl der Kandidaten für den UN-Generalsekretär neuer Amtszeit begann offiziell am 25. November des vergangenen Jahres. Der Nominierungsprozess endete am 1. April dieses Jahres. Die verbleibenden vier Kandidaten sind: Michelle Bachelet, ehemalige Präsidentin von Chile, Rafael Grossi aus Argentinien, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rebeca Grynspan aus Costa Rica, Generalsekretärin der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) und Macky Sall, ehemaliger Präsident von Senegal. Traditionell rotiert das Amt des UN-Generalsekretärs üblicherweise zwischen Kandidaten aus verschiedenen Regionen. Bei dieser Wahl würde der Posten des UN-Generalsekretärs theoretisch an einen Kandidaten aus Lateinamerika vergeben werden. Daher haben Michelle Bachelet, Rafael Grossi und Rebeca Grynspan bestimmte Vorteile gegenüber Macky Sall, dem Kandidaten aus Afrika.

Beobachtern zufolge könnten die enormen globalen Veränderungen der vergangenen Jahre die bisher ungeschriebenen Regeln der UNO irrelevant machen. Angesichts der Tatsache, dass die UNO vor den wohl größten Herausforderungen seit Jahrzehnten steht, von internen Spaltungen bis hin zu finanziellen Schwierigkeiten, kann die Wahl eines neuen UN-Generalsekretärs auch von vielen unkonventionellen Faktoren beeinflusst werden. Dies ist auch einer der Gründe, warum die UNO diesmal bestrebt ist, ihren Prozess zur Auswahl der Führungskraft zu erneuern. Dem Plan zufolge werden die Anhörungen der Kandidaten von der UNO live auf digitalen Plattformen übertragen, damit die UN-Mitgliedstaaten nicht nur die Visionen der Kandidaten hören, sondern auch direkt Fragen stellen können. Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Generalversammlung, sagt:

„Der nächste Generalsekretär sollte über gute Führungskompetenzen verfügen, die auf Erfahrung in Regierungsstrukturen, aber auch im Hinblick auf die Vereinten Nationen und deren Managementfähigkeiten im Lichte der Reformen beruhen.“

Ein Test für den Multilateralismus

In ihren Wahlversprechen vor der ersten Anhörung konzentrierten sich alle vier Kandidaten auf die größten Herausforderungen, vor denen die UNO derzeit steht, insbesondere die UN-Reform, um damit ihre Rolle in einer zunehmend instabilen Welt zu stärken. Dazu Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA):

„Wenn wir beobachten, was in der Welt geschieht, sehen wir deutlich, dass die Zeichen derzeit Zeichen von Konflikten sind. Neben den politischen und geostrategischen Spannungen zwischen den Nationen gibt es eine wütende und grausame Rückkehr des Krieges in all seinen Formen und Erscheinungsweisen und in praktisch jedem Winkel des Planeten.“

In diesem Zusammenhang sind sich alle vier Kandidaten einig, dass alles getan werden müsse, um das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in die Rolle der Vereinten Nationen wiederherzustellen. Die Beobachter gehen davon aus, dass die diesjährige Wahl des UN-Generalsekretärs als ein Referendum von großer Bedeutung für den Multilateralismus angesehen werden kann. Bei früheren Wahlen zum UN-Generalsekretär spielten die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats (die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China) stets eine entscheidende Rolle bei der Wahl desjenigen, der die Organisation leiten sollte. Es ist unwahrscheinlich, dass sich dies bei den diesjährigen Wahlen ändern wird. Daher ist die Fähigkeit, einen Kompromiss zwischen den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats zu erzielen, ein entscheidender Faktor bei der Wahl eines neuen UN-Generalsekretärs. Angesichts der Spannungen in den Beziehungen zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich mit Russland und China in den vergangenen Jahren ist es jedoch eine große Frage, ob diese fünf Vetomächte einen Kompromiss erzielen können. Sollten die Verhandlungen zwischen diesen Mitgliedern in einer Sackgasse landen, wird nicht nur die UNO negativ beeinflusst, sondern auch der globale Multilateralismus der Gefahr einer weiteren Schwächung ausgesetzt.