Das Meer dürfe nicht nur als Ort zur Ressourcenerschließung oder zur Entwicklung einzelner Wirtschaftszweige betrachtet werden, sondern als strategischer Entwicklungsraum, der wirtschaftliche Entwicklung, Landesverteidigung, Sicherheit, Wissenschaft, Technologie und internationale Integration miteinander verbindet.

KPV-Generalsekretär und Staatspräsident To Lam forderte deshalb die dringende Ausarbeitung eines neuen Beschlusses, der einen tiefgreifenden Wandel in Denkweise, Institutionen und Entwicklungsmodellen für die Meeresentwicklung schaffen soll.

Modernes nationales Meeresmanagement

Der neue Beschluss soll die Entwicklung eines modernen, einheitlichen und datenbasierten Modells des Meeresmanagements vorsehen. Bereits bei der Ausarbeitung müssen nationale Programme, Schlüsselprojekte, messbare Ziele sowie die Verantwortlichkeiten aller Ebenen klar definiert werden.

Ziel ist es, das Meer zu einem strategischen Entwicklungsraum zu machen und damit nachhaltiges Wachstum zu fördern sowie die Entwicklungsziele Vietnams bis 2045 zu verwirklichen. Dazu To Lam:

„Der neue Beschluss muss nicht nur beantworten, wie die Meereswirtschaft entwickelt werden soll, sondern auch, wie Vietnam den gesamten nationalen Meeresraum nutzen und verwalten kann, um die Entwicklung des Landes in den kommenden Jahrzehnten zu sichern.“

Experten bewerten diesen Ansatz als umfassend. Während das Meer bisher vor allem mit Fischerei, Öl und Gas, Häfen, Tourismus und Seeverkehr verbunden wurde, betrachtet der neue Ansatz den Meeresraum als Teil eines größeren Gesamtsystems. Wirtschaft, Umwelt, Sicherheit, Außenpolitik und die Lebensgrundlagen der Küstenbevölkerung sollen dabei berücksichtigt werden.

Damit könnte Vietnam die bisher oft uneinheitliche Entwicklung nach Branchen oder Regionen überwinden. Trotz positiver Fortschritte bestehen weiterhin Probleme wie überlappende Planungen, unzureichende regionale Vernetzung und steigender Druck auf die Meeresumwelt. Der neue Ansatz soll deshalb eine effizientere und nachhaltigere Nutzung von Meer, Küstengebieten und Inseln ermöglichen.

Zugleich eröffnet er neue Wachstumschancen. Das Meer wird nicht mehr nur als Rohstoffquelle gesehen, sondern auch als Grundlage für zahlreiche Wirtschaftsbereiche auf Basis von Wissenschaft, Technologie, Innovation und grünem Wachstum.

Eine starke Meeresnation im 21. Jahrhundert

Vietnam verfolgt das strategische Ziel, eine starke Meeresnation im 21. Jahrhundert zu werden. Dazu gehören moderne Meereswissenschaften und -technologien, qualifizierte Fachkräfte, ein einheitliches Meeresmanagement sowie eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Meereswirtschaft.

Experten zufolge sind dafür neben institutionellen Reformen vor allem die verstärkte Anwendung moderner Meerestechnologien und die Digitalisierung entscheidend. Nationale Meeresdatenbanken und digitale Lösungen für Verwaltung, Nutzung und Schutz maritimer Ressourcen sollen die Grundlage für eine moderne Entwicklung schaffen.

Insbesondere die Tiefsee- und Hochseewirtschaft soll weiter industrialisiert und modernisiert werden. Gleichzeitig müssen die maritimen Verteidigungs- und Sicherheitskapazitäten gestärkt werden, um die Kontrolle über Luftraum, Meeresoberfläche und Tiefseebereiche sicherzustellen.

Eine leistungsfähige Meereswirtschaft mit moderner Infrastruktur und hoher legaler wirtschaftlicher Präsenz auf See soll nicht nur neue Wachstumsimpulse schaffen, sondern auch die nationale Stärke erhöhen und die Entwicklung eng mit dem Schutz der Souveränität und der nationalen Interessen auf See verbinden.