Am vergangenen Sonntag hat US-Präsident Donald Trump angeordnet, das jährliche Militärmanöver „Ulchi Freedom Shield“ (UFS) zwischen Südkorea und den USA zu verkürzen. Demnach enden die seit Montag in Südkorea laufenden Übungen bereits am Freitag und nicht wie ursprünglich geplant am 27. August.
Am Donnerstag erklärte Trump, er wolle den Dialog mit dem nordkoreanischen Machthaber, Kim Jong-un, bald wiederaufnehmen.
Der Riss zwischen den Verbündeten
Die Entscheidung, die UFS-Übung zu verkleinern, kam für alle Beteiligten überraschend, da sie vom US-Präsidenten auf der Social-Media-Plattform Truth Social genau vor dem Beginn der Übung verkündet wurde. Dies ist das erste Mal in seiner zweiten Amtszeit, dass Präsident Donald Trump öffentlich die Reduzierung gemeinsamer Militärübungen mit Südkorea gefordert hat. Er begründete seine Entscheidung damit, dass diese Militärübungen sowohl kostspielig seien als auch ein „feindseliges Signal“ an Nordkorea sendeten.
Während seiner ersten Amtszeit von 2016 bis 2020 kritisierte Donald Trump wiederholt die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea als „Geldverschwendung“, was zur Aussetzung oder Reduzierung einiger gemeinsamer Trainingsaktivitäten führte. Beobachtern zufolge sendet Trumps Entscheidung, die diesmalige Militärübung zu verkleinern, wichtige Signale aus, nicht nur für die Beziehungen zwischen den USA und Südkorea, sondern auch für die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel im Besonderen und in Ostasien im Allgemeinen. Cha Du-hyeogn, Nordkorea-Experte und leitender Wissenschaftler am Asan Institute for Policy Studies, stellt fest:
„Dies spiegelt die Enttäuschung darüber wider, dass Südkorea, ein Verbündeter, die USA im aktuellen Konflikt mit dem Iran nicht aktiv unterstützt. Was ist also die eigentliche Botschaft? Sie signalisiert, dass die USA ihre Sicherheitszusagen gegenüber Südkorea anpassen könnten, sollte sich Südkorea nicht aktiv an regionalen oder globalen Strategien der USA beteiligen, insbesondere im Hinblick auf die Lastenteilung. Die Erwähnung gemeinsamer Militärübungen kann als Ausdruck dieser Botschaft verstanden werden.“
Analysten verweisen auch auf wirtschaftliche Faktoren bei Donald Trumps Entscheidung. Im September 2025 kündigte Trump an, dass Südkorea den USA Investitionen in Höhe von 350 Milliarden US-Dollar im Gegenzug für eine Senkung der US-Importzölle von 25 Prozent auf 15 Prozent zugesagt hätte. Allerdings ist fast ein Jahr nach dieser Ankündigung noch keines der vereinbarten Investitions- und Handelsprojekte umgesetzt worden. Donald Trump hat wiederholt seinen Ärger über diese Verzögerung zum Ausdruck gebracht. Daher wird die Verkleinerung des UFS-Manövers auch als „Hebel“ für Washington betrachtet, um stärkeren Druck auf Seoul auszuüben, die Investitions- und Handelszusagen noch vor der Frist im Januar 2029 bald zu konkretisieren.
Wiederaufnahme des Dialogs zwischen den USA und Nordkorea
Neben dem Riss im engen Bündnis zwischen den USA und Südkorea ist auch der „Nordkorea-Faktor“ ein bemerkenswertes Detail der jüngsten Entwicklungen. Am Mittwoch bekräftigte Donald Trump, dass er sich gegen Ende dieses Jahres mit Kim Jong-un treffen werde, um die Beziehungen wiederzubeleben, die er nach eigener Aussage während seiner ersten Amtszeit zu dem nordkoreanischen Machthaber aufgebaut hatte. Am Donnerstag nannte er eine konkrete Zahl von Atomwaffen im Besitz Nordkoreas und deutete an, dass das nukleare Profil des Landes anders aussehen könnte, wenn die Politik seiner ersten Amtszeit fortgeführt worden wäre. Diese Äußerungen deuten darauf hin, dass Washington bedeutende Änderungen an seiner Außen- und Sicherheitspolitik in Bezug auf die koreanische Halbinsel vornimmt. Jenny Town, Leiterin des 38 North-Programms des Stimson Centers in den USA, kommentiert:
„Es ist offensichtlich, dass Donald Trump sich seit Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Kim Jong-un treffen wollte. Er hat bereits mehrere Vorstöße unternommen, um die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Die Art und Weise, wie er diesen Schritt vollzogen hat, könnte darauf hindeuten, dass er eine diplomatische Gelegenheit schaffen will, indem er die Verschiebung oder Reduzierung der Militärübungen als Signal für diese Absicht nutzt.“
Die Frage nun ist, wie sich die Schritte Donald Trumps der vergangenen Tage auf die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel und allgemein in Nordostasien auswirken werden. Beobachter gehen davon aus, dass eine Reduzierung von UFS die in Südkorea wachsende Stimmung zugunsten der „Unabhängigkeit“ weiter fördern könnte. Dementsprechend soll Südkorea schnell die operative Befehlsgewalt im Kriegsfall (OPCON) übernehmen, die derzeit bei den USA liegt. Hinsichtlich der Aussichten für Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea wird die Lage jedoch komplexer werden, da die Reaktionen Seouls und Pjöngjangs auf die aktuellen Entwicklungen unvorhersehbar sind.
