In den vergangenen Jahren lag das größte Hindernis Vietnams nicht im Mangel an Kapital, Arbeitskräften oder Chancen, sondern in der Art und Weise, wie diese Ressourcen verteilt und genutzt wurden. Ohne ein effektives institutionelles System werden Ressourcen leicht verstreut und ineffizient eingesetzt. Deshalb richtet Vietnam den Fokus auf die Vervollkommnung der Institutionen, von der Änderung von Gesetzen über den Abbau von Geschäftsbedingungen bis hin zur Verbesserung der Durchsetzung, um grundlegende Wachstumshemmnisse zu beseitigen.
Umfassende und systematische Reformen
Ein bemerkenswerter Punkt der aktuellen Phase ist der Wandel im Reformdenken – von einem einzelnen Ansatz hin zu einem systemischen. Die aufeinanderfolgenden großen Beschlüsse des Politbüros, die zentrale Säulen wie Privatwirtschaft, Wissenschaft und Technologie, internationale Integration, Energie, Gesundheitswesen und Bildung abdecken, zeigen den Versuch, ein institutionelles Ökosystem zu schaffen, anstatt einzelne Maßnahmen zu ergreifen. Professor, Doktor Nguyen Hong Hai, Dozent an der Vin University, erklärt:
„Ich denke, der zentrale Durchbruch dieser Beschlüsse liegt in ihrem handlungsorientierten Merkmal und nicht nur in Schlagworten. Es geht um Erneuerung im Denken und in der Umsetzung, angepasst an das Entwicklungsniveau des Landes, um Vietnam auf ein höheres Niveau zu bringen.“
Bemerkenswert ist auch, dass diese Beschlüsse schnell von dem Parlament und der Regierung in konkrete Gesetze, Programme und Maßnahmen mit klaren Zuständigkeiten und Zeitplänen umgesetzt wurden. Zahlreiche Lösungen zielen direkt auf langjährige Engpässe ab, etwa die Überprüfung des gesamten Rechtssystems, die Beseitigung widersprüchlicher Regelungen, die Reduzierung administrativer Verfahren, die Senkung von Befolgungskosten sowie die umfassende Digitalisierung. Gleich auf der ersten Sitzung nach der Bildung der Regierung der Amtszeit 2026-2031 betont Premierminister Le Minh Hung:
„Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Überprüfung spezieller Mechanismen und Politiken. Was sich in der Praxis bewährt hat, soll landesweit angewendet werden. Gleichzeitig müssen Verwaltungsreformen, Geschäftsbedingungen und die Qualität der Umsetzung konsequent verbessert werden.“
Die Institutionen entwickeln sich damit von einem Instrument der Kontrolle zu einer Grundlage für die Aktivierung von Wachstum – von Verwaltung hin zu entwicklungsgestaltender Steuerung. Beispiele dafür sind besondere Mechanismen für Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt sowie Modelle wie Freihandelszonen oder internationale Finanzzentren in Da Nang.
Institutionen als direkter Wachstumstreiber
Die Praxis zeigt, dass Institutionen zwar keinen materiellen Reichtum direkt schaffen, aber das Verhalten wirtschaftlicher Akteure – von Unternehmen bis zu Bürgern – beeinflussen. Wenn Institutionen transparent, stabil und vorhersehbar sind, reduzieren sie Risiken, fördern Investitionen, treiben Innovationen voran und steigern die Produktivität.
Die aktuellen institutionellen Reformen Vietnams sind eng mit langfristigen Entwicklungszielen verknüpft. Anstatt nur auf Wachstumstempo zu setzen, integrieren sie Anforderungen wie grüne Entwicklung, digitale Transformation und Innovation. Wachstum soll auf der effizienten Nutzung aller gesellschaftlichen Ressourcen basieren.
KPV-Generalsekretär und Staatspräsident To Lam betont:
„Nachhaltiges Wachstum muss sowohl von oben als auch von unten entstehen, in jedem Glied der Wirtschaft. Wenn interne Kräfte mobilisiert und mit staatlichen Ressourcen, Infrastruktur, Märkten, Technologie und Planung verbunden werden, entsteht eine solide Grundlage für nachhaltiges Wachstum.“
Die Reform und Vervollkommnung der Institutionen in Vietnam zeigt somit einen Wandel von teilweise systemischen Reformen mit den drei herausragenden Merkmalen: schneller, tiefgreifender und strategischer. Institutionen werden zu einem direkten Motor des Wachstums und bilden eine entscheidende Grundlage für höhere und zugleich nachhaltigere Entwicklungsziele im neuen Zeitalter.
