Mit einer Fläche von über 6.700 Quadratkilometern, einer Bevölkerungszahl von mehr als 14 Millionen Menschen und einer Küstenlinie von über 300 km verfügt Ho-Chi-Minh-Stadt über alle Voraussetzungen, um sich zu einer maritimen Megastadt der Region zu entwickeln. Von noch größerer Bedeutung ist der Wandel im Entwicklungsansatz: Flüsse und Meer werden nicht länger nur als natürliche Faktoren betrachtet, sondern als strategische Ressourcen zur Umstrukturierung des wirtschaftlichen Raums genutzt. Doktor Tran Ngoc Chinh, Vorsitzender des vietnamesischen Verbandes für Stadtplanung und -entwicklung, ist der Meinung:

„Wenn man von Ho-Chi-Minh-Stadt spricht, spricht man von einer maritimen Metropole. Dies ist eine der Städte mit einem dichten Netz von Flüssen und Kanälen, deshalb müssen wir diesen Standortvorteil nutzen. In der heutigen Zeit muss die Raumplanung nicht nur Verkehr, Schifffahrt und Logistik, sondern auch das gesamte System der Flusshäfen und Tiefseehäfen umfassen.“

Die vom Meer basierte Entwicklungsorientierung zielt darauf ab, nicht nur den städtischen Raum zu erweitern, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt innerhalb globaler Logistikketten zu verbessern. Gegenwärtig wird das Tiefseehafen-Cluster Cai Mep - Thi Vai, das Saigon-Hafensystem sowie der geplante Megahafen Can Gio ein modernes Seehafennetzwerk bilden, das direkt an internationale Schifffahrtsrouten angebunden ist.

Während die vom Meer basierte Entwicklungsorientierung das Tor zur internationalen Integration öffnet, trägt die Entwicklung entlang der Flussachsen zur nachhaltigen Entwicklung bei. In den vergangenen Jahren wurden die Flüsse von Ho-Chi-Minh-Stadt lediglich als natürliche Grenzen oder als Entwässerungssystem betrachtet. In der neuen Stadtplanung werden der Saigon-Fluss und der Dong-Nai-Fluss jedoch als strategische Raumachsen definiert.

Der Ausbau des Wasserstraßenverkehrs, die Neugestaltung der Flussufer, die Erweiterung öffentlicher Räume sowie die Schaffung grüner Korridore und flussnaher Stadtviertel werden nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch zur Entlastung des Straßenverkehrs beitragen, die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel erhöhen und eine einzigartige Identität für diese Wasserstadt schaffen.

Eine Entwicklung, die auf Fluss und Meer basiert, bedeutet jedoch nicht die maximale Ausbeutung von Ressourcen. Entscheidend ist die Gewährleistung des Gleichgewichts zwischen Wirtschaftswachstum und dem Erhalt der Ökosysteme. Dazu Doktor Tran Du Lich:

„Wir benötigen ein Planungssystem und konkrete Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels, zum Schutz der Umwelt und zum Aufbau einer grünen Flussstadt. Man muss das Biosphärenreservat Can Gio, die grüne Lunge der Region, schützen.“

Ho-Chi-Minh-Stadt basierend auf Vorteilen von Fluss und Meer zu entwickeln, ist im gegenwärtigen Kontext eine richtige und unvermeidbare Vision. Der Beschluss Nr. 09 des Politbüros hat sich das Ziel gesetzt, Ho-Chi-Minh-Stadt zu einem Zentrum für Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft, Technologie und Innovation der Region auszubauen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, benötigt die Stadt nicht nur groß angelegte Infrastrukturprojekte, sondern auch ein modernes Entwicklungsmodell, das Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in Einklang bringt.