Bereits um 06:30 Uhr morgens drängen sich die Menschen an den Metrostationen wie Thao Dien und Binh Thai sowie dem Hauptbahnhof Ben Thanh in Ho-Chi-Minh-Stadt. Büroangestellte, Studierende und Touristen strömen nacheinander in die Stationen. Die einen kaufen einen Coffee-to-go, andere holen sich eine Flasche Wasser am Automaten, wieder andere frühstücken noch schnell etwas, bevor sie in den Zug steigen.

Nach über einem Jahr Betrieb ist die Metro-Linie 1 (Ben Thanh - Suoi Tien) nicht nur zu einem vertrauten Verkehrsmittel für die Bewohner von Ho-Chi-Minh-Stadt geworden, sondern hat auch allmählich ein Dienstleistungsökosystem rund um die Stationen entstehen lassen. Durchschnittlich befördert die Metrolinie täglich rund 64.000 Fahrgäste. Nguyen Trung Hieu im Wohnviertel Thanh My Tay erzählt:

„Wenn ich mit der Metro fahre, kaufe ich mir oft Wasser an den Getränkeautomaten drinnen oder trinke gerne etwas im Metro Coffee. In den Metrostationen gibt es auch Imbisse.“

Das Café „Metro Coffee“ liegt direkt an einer Station und bedient nicht nur die Anwohner der Gegend, sondern täglich auch eine große Zahl von Fahrgästen. Morgens kommen viele vorbei, um einen Kaffee zum Mitnehmen zu kaufen. Abends und an den Wochenenden steigt die Besucherzahl durch Ausflügler, die mit der Metro unterwegs sind.

Nguyen Thi Kieu Nga, Inhaberin des „Metro Coffee“, sagt:

„Seit die Metrostation in Betrieb ist, hat die Zahl der Gäste spürbar zugenommen. Morgens kommen die Leute ins Café, um einen Kaffee oder ein Getränk zum Mitnehmen zu kaufen.“

Ton That Hung, Inhaber des Com-Tam-Restaurants Ba Dat erzählt:

„Die meisten Metro-Fahrgäste kommen samstags, sonntags und an Feiertagen. Sie sind mit ihren Familien unterwegs und kommen in großen Gruppen zum Essen vorbei.“

Stadtplanern zufolge ist dies die Grundlage für das Modell der „Stationsökonomie“, bei dem der öffentliche Nahverkehr zum Motor für die Entwicklung von Handel, Dienstleistungen und wirtschaftlichen Aktivitäten wird. Dieses Modell wird in Städten wie Tokio, Seoul, Singapur oder Hongkong bereits seit Jahren erfolgreich angewandt. Es verwandelt Bahnhöfe in lebendige Einkaufszentren, Büro- und Dienstleistungskomplexe, anstatt sie nur als reine Verkehrsknotenpunkte zu verwenden.

In Ho-Chi-Minh-Stadt wird diese Entwicklungsrichtung durch das Modell der verkehrsorientierten Stadtentwicklung – auch als TOD (Transit-Oriented Development) bekannt – Schritt für Schritt konkretisiert. TOD ist ein Ansatz der Stadtentwicklung, der darauf abzielt, Menschen, Dienstleistungen und Aktivitäten durch einen hochwertigen öffentlichen Nahverkehr zusammenzubringen.

Tran Dang Thanh, stellvertretender Direktor der Metro-Linie Nr. 1 GmbH von Ho-Chi-Minh-Stadt erklärt:

„In der kommenden Zeit, wenn das TOD-Projekt umgesetzt wird, werden die Dienstleistungen an den Stationen weiter diversifiziert. Dies wird die Annehmlichkeiten und das Erlebnis für die Fahrgäste bei der Nutzung der Metrostationen deutlich erhöhen.“

Wenn das Metronetz künftig weiter ausgebaut wird und TOD-Stadtviertel entstehen, wird jede Station nicht mehr nur der Anfangs- oder Endpunkt einer Reise sein. Sie werden zu neuen wirtschaftlichen Knotenpunkten der Stadt, an denen sich Verkehr, Handel und städtisches Leben gemeinsam entwickeln und so einen modernen, nachhaltigen und vitalen Lebensrhythmus für Ho-Chi-Minh-Stadt schaffen.