Eine rund 500 Meter lange Müllhalde am Ufer des Roten Flusses, direkt unter der Long-Bien-Brücke, war früher ein Ort, den niemand freiwillig betreten wollte. Heute hat er sich in einen einzigartigen kreativen und kulturellen Raum verwandelt, der große Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Auf einer von der Zeit gezeichneten Mauer, die das Wohngebiet vom Flussufer trennt, sind nun 16 Kunstwerke von 16 Künstlern aus dem In- und Ausland zu sehen. Sie wurden aus unterschiedlichsten Materialien gefertigt und haben das Gesicht dieses Weges völlig verändert. Der junge Künstler Can Van An schuf das Werk „Parallele Reflexion“. Es handelt sich um ein Hochwasserboot von Bewohnern am Roten Fluss, besetzt mit 5.000 Spiegelstücken, in denen sich die Long-Bien-Brücke widerspiegelt. Der Kunstforscher und visuelle Künstler Tran Hau Yen The weckt mit seinem Werk „Die Wand des Ruhms“ Erinnerungen an die Türen von Häusern, die angesichts der rasanten Stadtentwicklung verschwunden sind. Er erzählt:

„Bei diesem Projekt haben die Künstler die Behörden und Bewohner begleitet, um den zuvor sehr dunklen und unsauberen Ort zu verändern. Normalerweise entsteht Kunst auf einer bereits sauberen Wand. Hier sind wir den umgekehrten Weg gegangen: Erst als die Kunstwerke in Phuc Tan entstanden, wurde der Raum sauberer, und die Gemeinschaft entwickelte ein Bewusstsein dafür, diesen Ort von sich aus sauber zu halten.“

Das öffentliche Kunstprojekt Phuc Tan erzählt Geschichten über die Kultur und Historie dieses Gebietes, über den Roten Fluss und über ganz Hanoi. Aus Eisenschrott und hochglänzendem Edelstahl schuf der Künstler Nguyen The Son, der zugleich Kurator des Projekts ist, eine Installation, die Straßenhändler und Arbeiter am Flussufer widerspiegelt. Er erklärt:

„Dank dieses Projekts sind die dortigen Bewohner viel stolzer auf ihren Lebensraum und verbessern sich ihr Umweltbewusstsein. Zudem hat das Projekt zur landschaftlichen Aufwertung des Wohngebiets beigetragen. Die Beleutung der Kunstwerke sorgt dafür, dass die zuvor dunkle Gegend nun hell erstrahlt.“

Nachmittags oder am Wochenende versammeln sich nun zahlreiche Menschen auf diesem Kunstweg. Touristen kommen hierher, um Kunstwerke zu betrachten, die mitten in der Gemeinschaft „leben“, anstatt in einem Museum eingerahmt zu sein. Kurator Nguyen The Son fügt hinzu:

„Das Projekt tritt in einen direkten Dialog mit den dortigen Bewohnern und zieht Menschen an, die gerne entdecken und erkunden. Das Projekt ist mittlerweile zu einer Inspiration für andere Künstlergruppen geworden, eigene gemeinschaftsbezogene Kunstprojekte zu entwickeln.“

Das öffentliche Kunstprojekt Phuc Tan hat der Gemeinschaft nicht nur einen grünen und sauberen Raum gebracht, sondern ist auch zu einem Symbol für Zusammenhalt und Kreativität geworden. Es ist ein Beweis dafür, dass durch das Engagement der Gemeinschaft wahre Wunder Wirklichkeit werden können.