Es gibt derzeit in Vietnam mehr als 2.000 Handwerksdörfer. Zu den bekanntesten zählen das Wasserpuppendorf Dao Thuc, das Dorf zur Herstellung von Kegelhüten Dai Ang und das Keramikdorf Bat Trang. Diese Dörfer tragen dazu bei, die Wirtschaft in ländlichen Gebieten zu entwickeln, Arbeitsplätze zu schaffen und das Einkommen von lokalen Arbeitskräften zu erhöhen.
Insbesondere haben der Produktionsraum und die Dorflandschaft die Einzigartigkeit geschaffen und zahlreiche Besucher angezogen. Dies ist der Grund, warum Vu Tuyet Hanh im Wohnviertel Cua Nam in Hanoi ihre Kinder regelmäßig in das Keramikdorf Bat Trang bringt.
„Hier können meine Kinder in die Natur eintauchen und selbst Keramik herstellen. Dadurch können sie ihre Kreativität entfalten.“
Dem Architekten Tran Huy Anh zufolge müssen die Handwerksdörfer allerdings im Zuge der Urbanisierung große Anstrengungen unternehmen, um ihren architektonischen Raum zu bewahren und weiterzuentwickeln. Damit könnten sie sowohl das Erbe bewahren als auch den Tourismus und die Wirtschaft entwickeln.
„Wenn wir das Dorf nur als Bühne bewahren, um mehr Zuschauer anzuziehen, wird diese Bühne aufgrund der Urbanisierung schnell verschwinden. Dörfer, die urbanisiert werden – egal ob Handwerks- oder Landwirtschaftsdörfer -, werden ihre Attraktion und ihre Einzigartigkeit verlieren.“
Die Bewahrung des Raums des Handwerksdorfes bedeutet nicht nur den Erhalt traditioneller architektonischer Werte, sondern auch die Aufrechterhaltung des Gemeinschaftslebens und der handwerklichen Meisterschaft über Generationen hinweg. Demnach soll man den Erlebnistourismus zur Schaffung von Absatzmärkten entwickeln, die traditionelle Architektur von Gemeindehäusern, Pagoden und Ahnentempeln schützen, Handwerksmeister bei der Ausbildung von Nachwuchs unterstützen sowie neue Technologien in der Vermarktung und im Produktdesign anwenden.
Laut dem Architekten Tran Huy Anh ist die ökologische Umwelt der entscheidende Faktor, der Besucher anzieht.
„Wir sollten nicht nur Handwerksdörfer bewahren, sondern seine gesamte ökologische Umwelt. Wenn ein Dorf, dessen ökologische Umwelt verschmutzt ist sowie kulturelle Identität und Gemeinschaftsverbindung verloren wird, verliert es auch seine Lebenskraft.“
Für Handwerksdörfer, die bereits unter Umweltverschmutzung leiden, schlägt Doktor Nguyen Tat Thang, Experte am Nationalen Institut für Architektur im Bauministerium, eine angemessene Raumplanung vor, um die Auswirkungen auf die Umwelt und das Leben der Menschen zu begrenzen.
„Um sowohl das Handwerk als auch die kulturellen Werte dauerhaft zu bewahren, ist eine räumliche Zonierung der Handwerksdörfer notwendig, die eine strikte Trennung von den Wohngebieten vorsieht. Es muss eine konzentrierte Zone geschaffen werden, die über eine moderne technische Infrastruktur verfügt und die gesamte Produktionskette abdeckt. In den Wohngebieten hingegen werden die ehemaligen Produktionsbereiche in Vermarktungszonen umgewandelt. Sie dienen als Ausstellungsflächen, Produktmessen oder als Ziele für den Erlebnistourismus.“
Derzeit konzentrieren sich die zuständigen Behörden darauf, Daten über Handwerksdörfer zu digitalisieren. Dies fördert den Tourismus und ermöglicht es Besuchern, die Herstellung handgefertigter Produkte und die traditionelle Kultur direkt vor Ort zu erleben.
