Die einstige Küstenstraße, die sich am Fischerdorf Nam O im Wohnviertel Hai Van der Stadt Da Nang entlangschlängelt, hat sich in ein modernes touristisches Gebiet verwandelt. Doch verändert sich der ruhige Lebensrhythmus des alten Fischerdorfes nicht. Nachmittags belebt sich das Dorf mit den Vorbereitungen auf den nächtlichen Fang. Manche richten die Netze her, andere reparieren ihre Boote, während kleine Gruppen von Fischern über das Meer, küstennahe Fangfährte und den eingebrachten Fang an Fischen und Garnelen plaudern. Fischer Nguyen Van Hai erzählt:
„Manchmal geht es um 03:00 Uhr oder um 24:00 Uhr zum Fischfang hinaus. Etwa drei bis fünf Kilometer vor der Küste. Die Sardellenbestände sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Es reicht zwar für die Dorfbewohner, um Fischsauce zu machen.“

Die Sardellensaison fällt im 3. und 4. sowie im 8. und 9. Mondmonat. Wenn die Fischerboote morgens anlegen, rufen sich die Dorfbewohner einander zu, um frischesten Fische für die Herstellung erstklassiger Fischsauce zu kaufen.

Laut den Einheimischen ist das Handwerk der Fischsaucenherstellung seit dem 19. Jahrhundert in Nam O entstanden. Das Geheimnis hinter der Marke der Nam-O-Fischsauce besteht aus nur zwei Zutaten: Fisch und Salz. Frische, gut gewachsene Sardellen – insbesondere solche, die im 3. und 4. Mondmonat gefangen werden – ergeben die beste Fischsauce. Sie werden mit Salz aus Sa Huynh in der Provinz Quang Ngai gemischt und in Steinguttöpfen aus Lai Thieu in Binh Duong 12 bis 18 Monate lang gereift. Phan Thi Ngoc Bich, deren Familie seit vier Generationen Fischsauce herstellt, sagt:

„Je frischer der Fisch, desto klarer und schöner wird die Fischsauce. Früher stellten unsere Großeltern Fischsauce in der sonnigen Jahreszeit her, verkauften sie in der Regenzeit, um die Kinder großzuziehen. Früher beschäftigte sich das ganze Dorf mit diesem Handwerk. Doch heute sind es nur noch rund hundert Haushalte. Wenn wir dieses traditionelle Handwerk nicht fortführen, wird es für immer verschwinden.“

Tran Ngoc Vinh, Vorsitzende des Verbands für Nam-O-Fischsaucenproduktion, erklärt:

„Derzeit umfasst der Verband fünf Fischsaucenbetriebe mit dem Zertifikat des Programms „Jede Gemeinde, ein Produkt“ und drei Genossenschaften. Jährlich werden durchschnittlich 300.000 Liter Fischsauce hergestellt. Wir wollen Gästen aus dem In- und Ausland die traditionelle Technik zur Herstellung der Nam-O-Fischsauce vorstellen. Unser Handwerk hat zudem die Aufmerksamkeit der Organisation World Vision International sowie Delegationen aus verschiedenen Ländern wie Singapur und Thailand auf sich gezogen. Dies fördert den Erfahrungsaustausch.“

Während die 84-jährige Huynh Thi He getrocknete Fische für den Verkauf verpackt, kümmert sich ihre Tochter um die fermentierte Fischsauce. Während der 12-monatigen Wartezeit, bis die Fischsauce reift, gehen die Dorfbewohner anderen mit dem Meer verbundenen Arbeiten nach und stellen andere Fischsaucensorten her.

An den Tagen, an denen die Gewässer von Nam O noch keinen Schwarm chinesischer Sardellen empfangen, hüllt sich das dortige Steinriff in einen samtgrünen Algenteppich. Das ist auch die Zeit, in der die Dorfbewohner die Rotalgen ernten und das Fischerdorf durch strömende Touristen noch lebendiger wird.

Wenn die Algenzeit endet, kehren die Fischerboote mit Sardellen zurück. Dann beschäftigen sich die Menschen in Nam O wieder mit der Fischsaucenherstellung.