Auf einer Höhe von fast 1.700 Metern über dem Meeresspiegel in Sin Ho gedeihen Reihen vom sattgrünen Lai-Chau-Ginseng in einem System von Gewächshäusern, die sich den Hang entlang erstrecken. Das Gewächshaus ist mit Tropf- und Sprinklerbewässerungssystemen sowie mit Vorrichtungen zur Überwachung von Bodenfeuchte, Lichtintensität, Luftfeuchtigkeit und Temperatur ausgestattet.
Ginseng, der als das „grüne Gold“ der Berge und Wälder gilt, wird derzeit nicht nur als wertvolle genetische Ressourcen bewahrt, sondern auch mithilfe einer Hightech-Landwirtschaft weiterentwickelt. Seit 2022 begann die Aktiengesellschaft für High-Tech-Landwirtschaft Thai Minh damit, das Modell für den Anbau von Lai-Chau-Ginseng in der Gemeinde Sin Ho in der nordvietnamesischen Provinz Lai Chau umzusetzen. Der Direktor der Firma, Duong Thanh Lam, berichtet:
„Wir versorgen die Bauern mit Saatgut, technischem Know-how und sogar mit den Materialien für den Bau von Gewächshäusern. Jedem Haushalt steht eine Fläche von etwa 200 bis 300 Quadratmetern für den Ginsenganbau zur Verfügung. Nach der Ernte wird Ginseng gemäß den Vertragsbedingungen aufgeteilt. Die Bauern erhalten etwa 30 bis 40 Prozent der großen Ginsengwurzeln. Bei aus Samen gezogenen Ginsengpflanzen erhalten die Bauern einen Anteil von 50 Prozent.“
Gewächshäuser und intelligente Sensorsysteme helfen dabei, Risiken durch Frost und Hagel zu minimieren und ermöglichen gleichzeitig die Steuerung von Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall. So wird sichergestellt, dass die Ginsengpflanzen nicht nur leben, sondern auch jene Wirkstoffe anreichern, die für die Weiterverarbeitung erforderlich sind. Eine kleine Abweichung im Prozess kann die Überlebensrate und die Ginseng-Qualität verringern oder nach jahrelangen Investitionen sogar zum Totalverlust des gesamten Ginseng-Anbaus führen. Daher stellt das Unternehmen nicht nur Setzlinge für die heimischen Bauern bereit, sondern schult auch Arbeitskräfte direkt im Betrieb.
Giang A Do, ein Angehöriger der ethnischen Minderheit der Mong aus dem Dorf Sa Phin, arbeitet seit fast vier Jahren auf der Ginseng-Anbaufläche. Dort habe er die Technik für den Anbau einer hochwertigen Pflanze erlernt, sagt Giang A Do:
„Eine ständige Überwachung ist erforderlich, um die Einhaltung der korrekten Verfahren und Bedingungen zu gewährleisten. Nur so können die Ginsengpflanzen gut wachsen. Ich bin zuversichtlich, dass ich über die Erfahrung und die technischen Fähigkeiten verfüge, um selbst Ginseng anzubauen.“
Im Jahr 2026 strebt Lai Chau an, die kommerzielle Landwirtschaft und den Anbau von Heilpflanzen im Einklang mit der grünen Wirtschaft zu entwickeln. Insbesondere der Lai-Chau-Ginseng wird als bedeutende Heilpflanze identifiziert, deren Entwicklung mit der Festlegung von Standards, der Rückverfolgbarkeit, geografischen Angaben und dem Schutz von Waldökosystem verknüpft ist. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Verbindungen zwischen Unternehmen und Bauern, zwischen Rohstoffgebieten und Verarbeitungsanlagen sowie zwischen Genossenschaften und dem Markt von großer Bedeutung. Dazu Nguyen Quang Hai, Vize-Vorsitzender des Genossenschaftsverbands der Provinz Lai Chau:
„Für eine nachhaltige Kooperation müssen drei Prinzipien sichergestellt werden. Erstens ist es für beide Seiten vorteilhaft. Zweitens muss diese Kooperation die Stärken beider Seiten nutzen, um die gegenseitige Entwicklung zu fördern. Das dritte und wichtigste Prinzip besteht darin, dass die Parteien ihre Rechte im Rahmen der Partnerschaft ordnungsgemäß ausüben und ihre Pflichten erfüllen müssen.“
Es handelt sich bei der Innovation im Agrarsektor in Sin Ho nicht nur um die Technologie. Technologie ist nur dann sinnvoll, wenn sie Risiken verringert, die Qualität verbessert, Arbeitsplätze schafft, neue Kompetenzen fördert und Menschen den Weg zur Teilhabe an höherwertigen Wirtschaftsbereichen ebnet. Erst dann wird Innovation tatsächlich zur treibenden Kraft für die Entwicklung eines ökologischen, modernen und nachhaltigen Agrarsektors.
