An der Gia-Dinh-Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt wird derzeit ein KI-natives Hochschulkonzept implementiert. Dieses Modell verwandelt die Universität in ein intelligentes Ökosystem, das kontinuierlich schlussfolgert, sich anpasst und optimiert. Anstatt lediglich das Lernen zu unterstützen, analysiert KI das gesamte System sowie die Leistungsergebnisse, um die Bildungsqualität fortlaufend zu verbessern. Dieses Bildungsmodell setzt auf KI-gestützte Kompetenzen, Lerncoaching, integrierte Lehrplanstrukturen sowie die Bewertung von Ressourcen und Arbeitsmarktbedürfnissen.
Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte die Hochschule für Geistes- und Sozialwissenschaften der Nationaluniversität Hanoi als erste Hochschule Vietnams einen KI-Kompetenzrahmen. Das gesamte Studienangebot der Hochschule basiert mittlerweile auf diesem KI-Kompetenzrahmen. Zuvor hatte sie bereits einen digitalen Kompetenzrahmen etabliert, der vielen Hochschuleinrichtungen als Referenz dient und derzeit zu einem nationalen Kompetenzrahmen weiterentwickelt wird. Um die Digitalisierung voranzutreiben, legt die Hochschule großen Wert auf internationale Kooperationen. Professor Hoang Anh Tuan betont:
"Internationalisierung und internationale Zusammenarbeit sind sehr wichtig, insbesondere im Hochtechnologiesektor. Wir arbeiten sehr effektiv mit META und zahlreichen anderen Partnern zusammen. 100 Prozent unserer Dozenten und Mitarbeiter wurden inzwischen in der KI-Anwendung intensiv geschult. Auch die Studierenden nehmen an entsprechenden Schulungen teil."
Eine landesweite Umfrage der British University Vietnam (BUV) unter 375 Arbeitgebern zeigt, dass digitale Kompetenzen eine äußerst wichtige Anforderung sind. Unternehmen erwarten von Bewerbern, dass sie Technologien zur Bewältigung von Teilaufgaben einsetzen und anschließend menschliches Urteilsvermögen zur Bewertung der Ergebnisse anwenden. Zur Vermittlung digitaler Kompetenzen an die Studierenden erklärt Dr. Paul Julian Bennett von der BUV:
„Wir helfen den Studierenden, den Schritt von der bloßen Vertrautheit hin zur zielgerichteten Technologie-Anwendung zu vollziehen. Sie arbeiten mit KI-gestützten Plattformen wie Codier und Imagine Explainer und wenden die Technologie direkt in der Programmierung, der Visualisierung und beim projektbasierten Lernen an. Wir haben eine KI-Bewertungsskala entwickelt, und diese Arbeit wurde 2025 von EDUtech Asia anerkannt.“
Derzeit implementiert das Bildungsministerium das Hochschuldatenbanksystem. Es erfasst umfassende Daten zu Lernenden, Lehrkräften, Infrastruktur und Studiengängen. Kürzlich startete das Bildungsministerium zudem eine 100-Tage-Kampagne zur Digitalisierung von Abschlussurkunden. 3,5 Millionen Abschlussurkunden wurden bereits digitalisiert und mit der nationalen Datenbank verknüpft. Dang Van Huan, stellvertretender Leiter der Abteilung für Hochschulbildung im Bildungsministerium, bekräftigt:
"Das Bildungsministerium und die Regierung haben ein vollständiges Regelwerk geschaffen, um die digitale Transformation in der Hochschulbildung sowie die digitale Bildung und intelligentes Management zu fördern. Wenn das Datenbanksystem vollständig vernetzt ist, verfügen wir über eine Grundlage, um Analysetools für den Personalbedarf zu nutzen und die Digital- sowie KI-Kompetenzen von Lehrenden und Lernenden zu steigern."
Die digitale Transformation an den Universitäten zielt darauf ab, die Lehre zu optimieren sowie die Qualifikation der Studierenden zu verbessern. So sollen die wachsenden Anforderungen des Arbeitsmarktes in einem von raschem technologischen Wandel geprägten Wettbewerbsumfeld nachhaltig erfüllt werden.
