Um diese Probleme zu lösen, konzentriert sich die Stadt darauf, die Zulieferindustrie zu entwickeln, die Fähigkeit lokaler Unternehmen zu verbessern und die Vernetzung zwischen heimischen Unternehmen und FDI-Unternehmen zu fördern.

Hai Phong verfügt über eine starke verarbeitende Industrie, moderne Industrieparks und eine einheitliche Hafen- und Logistikinfrastruktur. Die Präsenz globaler Konzerne aus den Bereichen Elektronik, Automobil, Maschinenbau sowie Textil und Bekleidung schaffen vor Ort eine enorme Nachfrage nach Zulieferern. Das ist ein klarer Vorteil. Wie viel Wertschöpfung jedoch in der Stadt bleibt, hängt davon ab, ob heimische Betriebe die strengen Anforderungen an Qualität, Liefertreue, Preis und Rückverfolgbarkeit erfüllen.

Tran Van Thang, Vorsitzender des Unternehmensverbandes von Hai Phong, betont:

„Wir sollten nicht nur auf die reine Anzahl ausländischer Investoren achten. Entscheidend ist die Lokalisierungsrate und wie tief heimische Betriebe in Lieferketten von FDI-Unternehmen eingebunden sind. Investoren müssen Technologie, modernes Management, Innovationen und hohe Standards mitbringen. Sie sollten in der Lage sein, lokale Unternehmen in ihre Lieferketten zu integrieren.“

In der Tat benötigen viele kleine und mittlere Zulieferer lediglich Werkstätten von wenigen tausend Quadratmetern. Um Transportkosten zu senken und schnell zu liefern, müssen sie nah an den Produktionsstätten liegen. Die aktuellen Industrieparks sind hingegen meist nur auf Investoren mit riesigem Flächenbedarf zugeschnitten.

Pham Doan Tung, Vorsitzender des Verbandes zur Förderung der Industrieentwicklung von Hai Phong, erklärt:

„Derzeit orientieren sich Industrieparks hauptsächlich an Großunternehmen. Man achtet darauf, Gewerbeflächen für lokale Zulieferer bereitzustellen. Zulieferer, die Nägel, Schrauben oder Bolzen herstellen, brauchen keine riesigen Flächen von mehreren Hektar. Oft reichen schon 1.000 bis 3.000, maximal 5.000 Quadratmeter, um alle Anlagen zur mechanischen Bearbeitung und Fertigung aufzustellen.“

Um diese Lücken zu schließen, hat die Stadtverwaltung im Juli 2026 ein Förderprogramm für die Zulieferindustrie bis 2035 verabschiedet. Es priorisiert fünf Schlüsselbranchen: Elektronik, Hightech, Maschinenbau, Automobil sowie Textil und Schuhe. Gleichzeitig hilft das Programm den Betrieben, ihr Management zu verbessern, Fachkräfte auszubilden und den Technologietransfer voranzutreiben.

Hai Phong setzte sich zum Ziel, dass sich bis 2030 rund 300 bis 350 Zuliefer an Lieferketten von FDI-Unternehmen und multinationalen Konzernen beteiligen können. Bis 2035 soll diese Zahl auf 450 bis 500 steigen.

FDI-Ströme verändern sich. Investoren achten heute stärker auf Fachkräfte, Technologie, Infrastruktur und Ökosystem lokaler Unternehmen. Die Attraktivität eines Investitionsstandorts definiert sich heute nicht mehr allein über Steuervorteile oder niedrige Kosten. Nguyen Canh Cuong, Dozent an der Wirtschaftshochschule der Nationaluniversität Hanoi, ist der Meinung:

„Vietnam ist bereits erfolgreich zu einem großen Produktionsstandort geworden. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie steigt Vietnam in der globalen Wertschöpfungskette zu einer echten Industrienation auf? Bei diesem Industrialisierungsprozess Vietnams spielen ausländische Direktinvestitionen neuer Generation eine Schlüsselrolle.“

Auch der Beschluss Nr. 10 des Politbüros vom 8. Juni 2026 zur Entwicklung des FDI-Sektors setzt den Fokus auf Qualität, Effizienz und Technologietransfer sowie die Fähigkeit zur Einbindung in Lieferketten und zur Vernetzung mit lokalen Unternehmen. Um diesen Beschluss effizient umzusetzen, muss Hai Phong die Lücken zwischen FDI-Fabriken und heimischen Unternehmen durch drei Faktoren schließen: Aufträge, Fachpersonal und angemessene Produktionsflächen.