Der alarmierende Zustand des Erdklimas

(VOVWORLD) - Die neuesten wissenschaftlichen Daten zeigen, dass die Erde in einem beispiellosen Tempo aus dem Gleichgewicht gerät. Auch die Auswirkungen des Klimawandels übertreffen die bisherigen Prognosen und werden aufgrund der globalen wirtschaftlichen und politischen Instabilität zunehmend komplexer. 
Der alarmierende Zustand des Erdklimas - ảnh 1US-Präsident Donald Trump hat eine Reihe von Dekreten unterzeichnet, die den Einsatz fossiler Brennstoffe erhöhen. (Foto: REUTERS/Mike Segar)

In ihrem am Montag veröffentlichten Bericht über den Zustand des globalen Klimas 2025 hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) festgelegt, dass sich die meisten Klima- und Umweltindikatoren auf der Erde in einem kritischen Zustand befinden und keine klare Aussicht auf Besserung besteht.

Historische Temperaturniveaus

Der WMO-Bericht bestätigt, dass die Jahre 2015 bis 2025 die heißeste Elfjahresperiode seit Beginn der Messungen waren. Das vergangene Jahr war das zweit- oder drittheißeste Jahr mit einer Durchschnittstemperatur von 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900). Die extremen Wetterereignisse weltweit, darunter extreme Hitze, starke Regenfälle und tropische Wirbelstürme, verursachten Störungen und Verwüstungen und verdeutlichen die Verwundbarkeit unserer miteinander verbundenen Volkswirtschaften und Gesellschaften.

Erstmals werden im Bericht auch Daten zum Energieungleichgewicht der Erde aufgeführt, aus Sicht der Forschung einer der wesentlichen Klimaindikatoren. Dabei wird erfasst, wie viel der Energie in Form von Sonnenlicht auf die Erde trifft und wie viel als Wärme ins All zurückgestrahlt wird. Im Gleichgewichtszustand sind diese beiden Energiequellen nahezu ausgeglichen. Durch die von Menschen verursachten Treibhausgase wie CO₂ kann immer weniger Energie zurückgestrahlt werden – und die Erde heizt sich auf. Das Ungleichgewicht habe seit 1960 zugenommen und sei im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen, hieß es im Bericht.

Die deutlichsten Folgen zeigen sich in den Ozeanen. Die Erwärmung der Ozeane hat eine Reihe von Folgen verursacht, darunter: die Zerstörung mariner Ökosysteme, der Verlust der Artenvielfalt, die Verringerung der Kohlenstoffbindungskapazität und der kontinuierliche Anstieg des Meeresspiegels, wodurch das Leben und die Existenzgrundlage von Milliarden von Menschen bedroht werden. Die stellvertretende WMO-Generalsekretärin, Ko Barrett, räumt ein:

„Ehrlich gesagt ist dies Teil eines erschreckenden Bildes. Es ist unsere Aufgabe, die vorliegenden Beweise zu präsentieren, in der Hoffnung, dass diese Informationen die Menschen zum Handeln bewegen. Doch es lässt sich nicht leugnen, dass diese Indikatoren nicht gerade Hoffnung geben.“

Samantha Burgess, Expertin für Klimastrategien am Copernicus Klimawandeldienst (C3S) der Europäischen Union, stellt fest:

„Ich denke, dass in zehn Jahren, also in den 2030er Jahren, die Erderwärmung höher sein wird. Die Anzahl extremer Wetterereignisse weltweit wird zunehmen. Die Kosten, die durch die Schäden und Auswirkungen dieser Extremereignisse entstehen, werden gravierender sein.“

Umweltschädliche Konflikte

Die jüngsten geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen weltweit stellen den globalen Kampf gegen den Klimawandel vor erheblichen zusätzlichen Herausforderungen. Viele Regierungen haben ihre Verpflichtungen reduziert oder die zuvor eingeführten grünen Industriepolitiken sogar aufgegeben. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump beispielsweise schaffte die Subventionen für Elektrofahrzeuge ab, fördert die Gewinnung und Nutzung fossiler Brennstoffe und zog sich aus vielen Klimaverpflichtungen zurück. Um die europäische Automobilindustrie zu retten, musste die EU-Kommission auch ihre Verpflichtung zur schrittweisen Abschaffung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2035 abschwächen. Im Nahen Osten wurden durch Angriffe auf Öl- und Gasfelder des Iran und der Golfstaaten große Mengen giftiger Gase in die Atmosphäre freigesetzt. Dazu der Sprecher der UNO, Stephane Dujarric:

„Wir sind besonders besorgt über die zahlreichen Berichte über jüngste Angriffe auf Ölförderanlagen, die schwerwiegende Umweltfolgen in der gesamten Region nach sich ziehen könnten, mit unmittelbaren Auswirkungen auf Trinkwasser, Atemluft und Nahrungsmittel. Hinzu kommen Angriffe auf Meerwasserentsalzungsanlagen in mehreren Ländern.“

Laut Wirtschaftsexperten ist eine weitere Folge der aktuellen Konflikte, dass die Abhängigkeit der Länder von Öl und Gas länger anhalten wird, als erwartet. Die durch die Blockade in der Straße von Hormus verursachten Versorgungsengpässe werden viele Länder kurz- und mittelfristig dazu zwingen, strategische Öl- und Gasreserven aufzubauen. Langfristig wird diese Energiekrise die Länder jedoch auch dazu veranlassen, die Entwicklung alternativer Energiequellen zu Öl und Gas, insbesondere erneuerbarer Energien, zu beschleunigen.

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