Konflikte im Nahen Osten: Zunehmend gefährliche Konsequenzen für die Weltwirtschaft

(VOVWORLD) - Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten zwischen den USA, Israel und dem Iran beginnt, gefährliche Konsequenzen für die Weltwirtschaft zu haben. Die Ölpreise steigen dramatisch an. Die Krisenszenarien werden immer wahrscheinlicher. 
Konflikte im Nahen Osten: Zunehmend gefährliche Konsequenzen für die Weltwirtschaft - ảnh 1Die Abbildung über Ölfässe und- förderanlage vor einem Diagramm über den steigenden Aktienkurs. (Foto: REUTERS/Dado Ruvic)
Zehn Tage nach dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran am 28. Februar haben die weltweiten Ölpreise am 8. März offiziell 100 US-Dollar pro Barrel überschritten. Dies ist der höchste Preis seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine im Februar 2022.

Die Angst vor einer Energiekrise

Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran geht in die zweite Woche. Israel greift iranische Ölraffinerien an, und Teheran reagiert mit Vergeltungsangriffen auf ölproduzierende Länder am Golf. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports transportiert werden, ist seit dem Ausbruch des Konflikts am 28. Februar ebenfalls eingestellt. Seitdem sind die Ölpreise für WTI um mehr als 75 Prozent und für Brent um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Saul Kavonic, Direktor der Energieforschung bei der australischen Wertpapieranalyse-Plattform MST Marquee glaubt, dass die Ölpreise täglich steigen werden, solange die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Die negativen Auswirkungen könnten abgemildert werden, falls die USA und westliche Länder Kriegsschiffe zur Eskortierung von Öltankern durch die Straße von Hormus einsetzen würden. Eine Rückkehr zur Normalität sei jedoch in kurzer Zeit unwahrscheinlich, so Kavonic:

„Aber selbst dann wird es zu Lieferengpässen kommen, da das Konvoisystem naturgemäß langsamer sein wird als bisher. Insbesondere könnte Gas deutlich stärker betroffen sein als Öl, da ein Teil des saudischen Öls auch ohne die Straße von Hormus exportiert werden kann. LNG hingegen ist vollständig von der Straße von Hormus abhängig.“

Die US-Regierung hat versichert, dass der Anstieg der Ölpreise bald enden wird. Gleichzeitig plant die Gruppe der Industrienationen (G7), weitere 400 Millionen Barrel Öl aus ihren Reserven auf den Markt zu bringen. Trotzdem nehmen die mittelfristigen Risiken weiter zu. Richard Tullis, Exekutivdirektor des Investmentstrategie-Forschungsunternehmens WTR in den USA, beurteilt:

„Ich denke, dass letztendlich die Preise mittelfristig von der Aktivität in der Straße von Hormus und damit verbundene psychologische Faktoren beeinflusst werden. Zweitens stellt sich die Frage, ob es zu flächendeckenden Schäden an den Energieanlagen im Nahen Osten kommen wird. Bisher waren diese begrenzt. Wir hoffen, dass diese so bleiben, denn die Reparatur von Schäden dürfte deutlich länger dauern als die Öffnung der Straße von Hormus.“

Weitverbreitete wirtschaftliche Schäden

Wirtschaftsexperten beginnen nun, Modelle zu entwickeln, um langfristige Schäden für die Weltwirtschaft und das globale Wachstum zu berechnen. In Europa sind die Gas-Futures in der vergangenen Woche um 60 Prozent gestiegen.

Viele asiatische Volkswirtschaften stehen in den kommenden Monaten, sogar Wochen, vor dem Risiko von Ölknappheit. Da ein Großteil des Öls, das durch die Straße von Hormus transportiert wird, für Asien bestimmt ist. Francis Lun, Exekutivdirektor von Venturesmart Asia, einem Unternehmen mit Sitz in Hongkong (China), sagt:

„Mit Ausnahme von Malaysia und Indonesien sind alle Länder Ostasiens Nettoimporteure von Öl. Dies wird zu Inflationsdruck und natürlich auch zu wirtschaftlichen Schäden führen. Das Wirtschaftswachstum wird sich verlangsamen, die Inflation wird steigen. Das ist das schlimmste Szenario, das wir uns vorgestellt haben, als die USA und Israel den Iran angriffen. Die Situation gerät nun außer Kontrolle.“

Die Asiatische Entwicklungsbank bewertete in der vergangenen Woche, dass die Auswirkungen auf die asiatischen Volkswirtschaften relativ gering sein werden, wenn der Nahostkonflikt nicht länger als einen Monat andauert. Je länger der Konflikt andauert, desto größer wird der Schaden für die asiatischen Volkswirtschaften im Vergleich zu Europa oder den USA sein. Die Kosten für Luftfracht von Asien nach Europa sind seit Beginn des Konflikts um 45 Prozent gestiegen. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Anstieg der Frachtraten von Asien in die USA.

Auch in den USA beginnen sich die Auswirkungen des Konflikts zu zeigen. Die Benzinpreise liegen derzeit im Durchschnitt bei 3,41 US-Dollar pro Gallone, gegenüber 2,98 Dollar vor einer Woche. Die Lieferketten werden sicherlich vor weiteren Schwierigkeiten stehen, wenn der Konflikt im Nahen Osten länger andauert, als von der Trump-Regierung erwartet.

Mehr zum Thema
Weiteres