(VOVWORLD) - Die Streitkräfte der USA und Israels haben am Samstag eine präventive Militäroperation gegen den Iran gestartet. Teheran reagierte mit massiven Gegenangriffen in der gesamten Region. Damit steht der Frieden im Nahen Osten erneut vor schweren Herausforderungen.
Die Eskalation erfolgte nur einen Tag nach ergebnislosen Atomgesprächen zwischen den USA und dem Iran am vergangenen Donnerstag im schweizerischen Genf. Es ist bereits die zweite direkte militärische Konfrontation binnen eines Jahres.
Ein riskantes Spiel für alle Seiten
Bereits in den ersten Angriffen nahmen die USA und Israel Spitzen der iranischen Führung ins Visier. Dabei kam auch der Oberste Führer Ali Chamenei ums Leben.
Der Iran antwortete mit Hunderten Raketen und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in mehreren Staaten der Region, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait. Die Intensität übertrifft die Auseinandersetzung vom Vorjahr deutlich.
Der Nahost-Experte Jonathan Panikoff vom Atlantic Council sieht einen entscheidenden Unterschied zur früheren Eskalation: Damals habe Israel geführt, während die USA erst später eingegriffen hätten – mit begrenztem Ziel, Irans nukleare Fähigkeiten zu zerstören. Nun jedoch habe US-Präsident Donald Trump offen einen Regimewechsel im Iran ins Spiel gebracht – ein hochriskantes Kalkül, so Panikoff:
„Anfangs mag es Begeisterung geben. Doch je länger der Konflikt dauert und je höher die Verluste steigen, desto schwieriger wird es für Donald Trump, die Unterstützung aufrechtzuerhalten, selbst unter republikanischen Abgeordneten und unabhängigen Wählern in den USA.“
Auch Burcu Ozcelik vom britischen Sicherheitsinstitut RUSI spricht von einem großen Risiko für alle Seiten.
„Es gibt zu viele Unbekannte. Für Präsident Trump wäre eine Opferzahl ein politischer Rückschlag. Für Israel ist unklar, welchen Schaden der Iran noch anrichten kann. Und natürlich ist es auch für den Iran ein enormes Risiko.“
Regionale und globale Folgen
Die Eskalation verschärft die fragile Sicherheitslage im Nahen Osten. Bereits die Konflikte zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen sowie mit der Hisbollah im Libanon haben die Region in den vergangenen Jahren stark destabilisiert.
Besonders alarmierend ist, dass Irans Gegenangriffe auf US-Stützpunkte in Drittstaaten durchführte. Laut Ali Vaez von der International Crisis Group könnten sich die Attacken auch auf strategische Energieziele ausweiten, mit globalen Auswirkungen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte vor einer unkontrollierbaren Ausweitung:
„Die militärischen Aktionen breiten sich rasch aus und schaffen eine äußerst unvorhersehbare Lage mit hohem Risiko von Fehlkalkulationen. Politische Gespräche waren vorbereitet – umso bedauerlicher ist es, dass diese diplomatische Chance vertan wurde.“
Wirtschaftlich zeigen sich die Folgen bereits deutlich: Goldpreise steigen, Aktienmärkte reagieren nervös, Anleger flüchten in sichere Häfen. Die Sorge wächst, dass die Straße von Hormus – die wichtigste globale Handelsroute für Öl– blockiert werden könnte.
Damit steht nicht nur der Frieden im Nahen Osten, sondern auch die weltweite wirtschaftliche und geopolitische Stabilität vor erheblichen Herausforderungen.