Neue US-Verteidigungsstrategie: Schwerpunktverlagerung hin zu einer neuen Ordnung

(VOVWORLD) - Das US-Pentagon hat vor kurzem eine neue nationale Verteidigungsstrategie veröffentlicht. Dies ist das zweite strategische Dokument, das die Regierung von US-Präsident Donald Trump innerhalb von weniger als zwei Monaten veröffentlicht hat. Es spiegelt einen tiefgreifenden Wandel im sicherheitspolitischen Denken der USA wider. Im Mittelpunkt steht die Verfolgung der US-Interessen, insbesondere in der westlichen Hemisphäre, und die schrittweise Gestaltung einer neuen Weltordnung. 

Die nationale Verteidigungsstrategie 2026 ist die erste überarbeitete US-Verteidigungsstrategie seit 2022. Das neue Strategiepapier markiert die offizielle Umbenennung des vorherigen Verteidigungsministeriums zum „Kriegsministerium“ durch die Regierung des US-Präsidenten Donald Trump – ein Wendepunkt im sicherheitspolitischen Denken der USA.

Streben nach einer neuen Ordnung

In der neuen US-Verteidigungsstrategie wird die territoriale Verteidigung über globale Prioritäten gestellt. Darin wurden die Grenzkontrolle, die Bekämpfung der illegalen Einwanderung und des Drogenhandels als dringende Sicherheitsaufgaben betont. Das Pentagon verkündet auch einen Plan zum Einsatz des Raketenabwehrsystems „Golden Dome“ und der Anti-Drohnen-Technologien zum Schutz des inländischen Luftraums. Der zweite wichtige Punkt der Strategie liegt in der Verlagerung des Fokus der US-Sicherheitspolitik von fernen Konflikten hin zur westlichen Hemisphäre. Demnach sind die USA bereit, einseitig gegen Bedrohungen in der westlichen Hemisphäre vorzugehen, insbesondere die „Drogenterroristen“. Als weiteres Ziel wird die Abschreckung Chinas genannt – anders als in früheren Strategiepapieren wird dies jedoch nicht mehr Toppriorität gelistet. Die USA betrachten die asiatische Macht weiterhin als ihren wichtigsten strategischen Konkurrenten.

Beobachtern zufolge zeigen diese strategischen Änderungen, dass die USA derzeit einen neuen Ansatz für eine Weltordnung entwickeln, die aus Sicht der USA nicht mehr zeitgemäß ist. Dazu Nolan Higdon, Professor für Geschichte und Kommunikation an der University of California Santa Cruz im US-Bundesstaat Kalifornien:

„Wenn wir alle Ereignisse, besonders die Reden und Handlungen von Donald Trump im vergangenen Jahr beobachten, können wir sehen, dass die USA das letzte Kapitel der Nachkriegsordnung schreiben würden. Die Frage ist nun, was als Nächstes kommt? Es scheint, dass sich die internationale Gemeinschaft derzeit auf eine Phase zubewegt, in der die Welt eine geteilte Einflusssphäre zwischen Europa, den USA, Russland und China wäre.“

Die Nationale Verteidigungsstrategie 2026 betrachtet die Verteidigungsindustrie als eine Hauptsäule für die Umsetzung neuer Sicherheitsprioritäten. 

Welche Optionen für Verbündete?

Die neue US-Verteidigungsstrategie wurde drei Wochen nach dem Ereignis Venezuelas veröffentlicht. Gemeinsam mit der vorherigen Sicherheitsstrategie wollen die USA zeigen, dass das Land unter der Leitung von Präsident Donald Trump seine „America First“-Agenda intensiv verfolgt, ungeachtet der Auswirkungen auf ihre Verbündeten. Laut dem Dokument sollen die NATO-Partner der USA künftig fünf Prozent ihres nationalen Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren. Die USA sind der Ansicht, dass die europäischen Länder, die NATO-Mitglieder sind, mit ihren ausreichenden wirtschaftlichen Möglichkeiten die Verteidigungsaufgaben selbst übernehmen und die Ukraine unterstützen könnten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte räumte ein:

„Sollte Europa wirklich alleine weitergehen wollen, müssen die Verteidigungsausgaben der Länder auf zehn Prozent und nicht wie beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr vereinbart auf fünf Prozent steigen. Der Aufbau eigener nuklearer Fähigkeiten kostet Milliarden Euro. Europa würde ohne die USA den ultimativen Garanten seiner Freiheit verlieren, nämlich den nuklearen Schutzschirm der USA.“

Für einige andere US-Verbündete erfordert die neue US-Verteidigungsstrategie ebenfalls eine Anpassung der jeweiligen Politik dieser Länder. Die USA sehen Südkorea als fähig an, eine führende Rolle bei der Denuklearisierung der Halbinsel zu übernehmen. Das bedeutet, dass Seoul seine finanzielle und technologische Unabhängigkeit in der Verteidigung ausbauen muss. Vor dem Hintergrund der derzeit angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und Südkorea ist diese Herausforderung ist keineswegs gering. Beispielsweise hat der US-Präsident am 26. Januar die Einfuhrzölle auf Südkorea von 15 auf 25 Prozent erhöht, nur zwei Tage nach der Veröffentlichung der neuen US-Verteidigungsstrategie.

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