Strukturelle Reformen in der Mikroökonomie zielen nicht auf einzelne Unternehmen, sondern auf die Beseitigung von Engpässen in Produktion und Wirtschaft. Sie sollen Kosten senken, Produktivität und Qualität steigern sowie Innovation fördern. Dazu Le Van Loi, Präsident der vietnamesischen Akademie der Sozialwissenschaften:
„Damit mikroökonomische Reformen tatsächlich zum Motor eines zweistelligen Wachstums werden, sind drei Voraussetzungen entscheidend. Erstens muss sich das staatliche Handeln von Kontrolle hin zu einer entwicklungsorientierten Gestaltung wandeln. Institutionen sollen nicht nur Risiken begrenzen, sondern Innovation, Wettbewerb und Investitionen fördern. Zweitens braucht es eine gezielte Schwerpunktsetzung statt einer gleichmäßigen Verteilung der Ressourcen. Vorrang sollten Branchen, Unternehmen, Regionen und Projekte mit hoher Multiplikatorwirkung erhalten. Drittens muss die Qualität der Umsetzung als integraler Bestandteil der Politik verstanden werden.“
Als zentrale Engpässe gelten die Bereiche Institutionen, Ressourcen, Märkte und Innovation. Ziel der Reformen ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Unternehmenslandschaft zu stärken. Pham Anh Tuan, stellvertretender Direktor des Instituts für vietnamesische Wirtschaft und Weltwirtschaft:
„Erstens braucht Vietnam Maßnahmen zum Ausbau der Leistungsfähigkeit seiner Unternehmen. Führende Unternehmen mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit sollen als Vorreiter fungieren. Kleine und mittlere Unternehmen müssen zu größeren Unternehmen heranwachsen, während große Unternehmen eine Führungsrolle übernehmen sollen. Zweitens sind weitere institutionelle Reformen notwendig – ebenso wie die Mobilisierung von Ressourcen, die Entwicklung des Kapitalmarktes, investitionsfördernde Steuerpolitik, der Ausbau von Daten- und Digitalinfrastruktur sowie eine engere Zusammenarbeit mit ausländischen Direktinvestoren, um von deren Technologie und Management-Know-how zu profitieren.“
Auch für Künstliche Intelligenz (KI) schafft Vietnam derzeit einen transparenten Rechtsrahmen. KI gilt als neuer Wachstumstreiber. Dazu Ho Duc Thang, Direktor des Instituts für digitale Technologie und nationale digitale Transformation:
„Zweistelliges Wachstum hängt letztlich von der Produktivität ab. Und keine Technologie bietet hierfür größeres Potenzial als Künstliche Intelligenz. Da KI-Infrastruktur sehr kostspielig ist, sollte sie als nationale Infrastruktur aufgebaut werden. Der Staat investiert in diese Infrastruktur und stellt sie Unternehmen gemeinsam zur Verfügung. Wenn ein Unternehmen seine Produktivität steigern will, muss er Prozesse, Daten und Personal optimieren.“
Im ersten Halbjahr 2026 wuchs das Bruttoinlandsprodukt Vietnams um 8,18 Prozent – der höchste Wert seit 16 Jahren. Nach Einschätzung von Experten kann das Ziel eines zweistelligen Wachstums im Zeitraum 2026-2030 erreicht werden, wenn makro- und mikroökonomische Reformen konsequent miteinander verzahnt werden.
