(VOVWORLD) - Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) ist das weltweit führende Forum für Debatten zur internationalen Sicherheitspolitik. Die diesjährige Konferenz gilt als Zeitpunkt zur Erstellung von neuen Regeln für Sicherheits- und Politikdialoge zwischen Europa und den USA. Dies gilt besonders im Kontext, dass traditionelle transatlantische Verbündete derzeit beispiellose Risse erleben.
Blick auf das Hotel Bayerischer Hof in München, Veranstaltungsort der jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz. (Foto: REUTERS/Thilo Schmuelgen) |
Die 62. Münchner Sicherheitskonferenz findet vom 13. bis zum 15. Februar 2026 im Hotel Bayerischer Hof und Rosewood in München statt. Rund 65 Staats- und Regierungschefs und fast 100 Außen- und Verteidigungsminister werden neben hochrangigen Militärexperten und politischen Entscheidungsträgern anwesend sein, darunter der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Außenminister Marco Rubio.
Scharniermoment
Im Vorfeld der Konferenz hat das MSC-Organisationskomitee den Münchner Sicherheitsbericht 2026 veröffentlicht. Darin wurden viele wichtige Geschehnisse und Tendenzen im aktuellen globalen Sicherheits- und Politikumfeld erwähnt. Laut dem Bericht könnte die stark korrigierte US-Politik dazu beitragen, einige Probleme zu lösen. Gleichzeitig könnte sie einen Trend in internationalen Beziehungen fördern, der stärker auf gegenseitigen Interessen und Transaktionen basiert. Auch einige korrigierte Punkte in der US-Außen- und Sicherheitspolitik stellen multilaterale Mechanismen vor Herausforderungen, vom Welthandel bis hin zur humanitären Hilfe.
Dem MSC-Chef Wolfgang Ischinger zufolge haben sich US-Verbündete für viele Jahrzehnte nicht nur auf Stärke gestützt, sondern auch auf einen Konsens über gemeinsame Prinzipien der internationalen Ordnung. Jedoch gebe es in diesem Konsens Änderungen, die ein Fragezeichen über die Perspektive der transatlantischen und internationalen Kooperation in der Zukunft stelle. In diesem Kontext sei die Teilnahme der US-Delegationen an der Konferenz in München von großer Bedeutung, erklärt Ischinger weiter:
„Die transatlantischen Beziehungen stecken im Augenblick in einer aus meiner Sicht doch erheblichen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise. Deswegen ist es besonders erfreulich, dass die amerikanische Seite so großes Interesse an München findet.“
Politikwissenschaftler Moritz Weiss aus der Ludwig-Maximilians-Universität München ist der Meinung, dass die europäischen Länder derzeit stark von diesen Veränderungen beeinträchtigt werden. Denn in Europa habe sich noch kein gemeinsames Verständnis darüber entwickelt, dass die Globalisierung beendet sei, und die Gewaltnutzung statt Diplomatie zu einer Tendenz geworden sei, so Moritz Weiss weiter.
„Ich denke, dass die Herausforderung, mit der politische Entscheidungsträger im Moment begegnen, darin liege, dass die Gewaltbedrohung und -anwendung erneut zu einem politischen Mittel geworden ist. Das ist eine Herausforderung, weil wir früher in einer Ära gelebt haben, in der die Konflikte friedlich gelöst wurden. Dies hat sich geändert und die Länder, besonders die europäischen Länder, haben bei der Anpassung Schwierigkeiten.“
MSC-Chef Wolfgang Ischinger. (Foto: REUTERS/Liesa Johannssen) |
Europäische Aktionen
Beobachter gingen davon aus, dass die europäischen Länder in München mehr zu tun haben werden, als lediglich einen ausgewogenen Dialog mit den USA anzustreben.
Die Vizepräsidentin beim German Marshall Fund (GMF), Claudia Major, gab bekannt, dass die europäischen Länder bei der diesjährigen Sicherheitskonferenz zwei Erwartungen haben. Eine davon liege darin, dass Europa aufsteht, seine Abhängigkeit von den USA beendet und sich eine stärkere geopolitische Position sichert, meint Claudia Major:
„Die andere Hoffnung ist, dass die Europäer endlich aufstehen werden, und Großmächte in Europa wie Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Polen und Italien eine gemeinsame Botschaft schicken werden. Es handelt sich darum, dass Europa verstanden hat und aufgewachsen ist, um Herausforderungen zu bekämpfen, sowohl in der Sicherheit, als auch in der Ökonomie. Europa wird nach anderen Partnern suchen.“
Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz hat die Europäische Union ihren Industriegipfel im belgischen Antwerpen veranstaltet, um die eigenständige Politik zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit des Blocks zu erhöhen. Die dreitägigen Diskussionen in München an diesem Wochenende könnten die richtige Zeit sein, in der neue Regeln für den transatlantischen Dialog festgelegt werden. Dadurch sollten die Position und Orientierungen Europas in der kommenden Zeit besser bestimmt werden.