(VOVWORLD) - Die Vereinten Nationen (UN) stehen derzeit vor ernsthaften finanziellen Herausforderungen. Die Budgetkürzungen werden sich negativ nicht nur auf UN-Pläne für wichtige Missionen auswirken. Es droht außerdem, die Rolle dieser Organisation im Zeitpunkt der instabilen Weltlage in der multilateralen Ordnung zu schwächen.
UN-Generalsekretär António Guterres. (Foto: REUTERS/Eduardo Muñoz) |
Ende Januar 2026 hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einem Brief an alle 193 Mitgliedstaaten vor einem „finanziellen Kollaps“ der UN aufgrund einer schweren Liquiditätskrise gewarnt.
Budgetschwierigkeiten
Im Brief betonte der UN-Generalsekretär die kritische finanzielle Situation der größten multilateralen Organisation der Welt. Der Hauptgrund liege darin, dass einige Mitgliedstaaten ihre Pflichtbeiträge nicht vollständig und andere nicht rechtzeitig zahlen. Dies zwingt die UN regelmäßig zu Einstellungsstopps und Kürzungen ihrer Missionen.
Bereits im November 2025 hatte Guterres davor gewarnt, dass die Rückzahlung von Krediten von fast 300 Millionen US-Dollar in diesem Jahr eine Liquiditätskrise auslösen würde. Dieses Szenario ist nun Realität geworden.
Gemäß den UN-Regelungen leisten die Mitgliedstaaten ihre finanziellen Beiträge entsprechend der Größe ihrer Volkswirtschaften. Die USA zahlen in der Regel dabei 22 Prozent und China 20 Prozent. Jedoch stehen die UNO seit vielen Jahren vor Finanzproblemen, weil einige Mitgliedstaaten ihre Pflichtbeiträge nicht vollständig oder verspätet zahlen. Ein weiterer Grund liegt in den komplizierten Finanzierungsmechanismen der UNO. Dazu der stellvertretende UN-Sprecher Farhan Haq:
„Obwohl mehr als 150 Mitgliedstaaten im vergangenen Jahr ihre Beiträge gezahlt haben, beendeten wir das Jahr 2025 mit ausstehenden Beiträgen in Rekordhöhe von 1,56 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Wenn also entweder die ausstehenden Zahlungen nicht eingehen oder wir nicht davon entbunden werden, die Gelder zurückzuzahlen, die wir mangels eines erhaltenen Budgets nicht ausgeben konnten – falls keines dieser beiden Dinge eintritt –, stehen wir vor der realen Gefahr, dass uns das Geld ausgeht.“
Die sogenannte „UN 80“-Initiative, die von Generalsekretär António Guterres im Frühjahr 2025 ins Leben gerufen wurde, soll dazu beitragen, diese Krise durch drei verschiedene Reformansätze zu bewältigen. Außerdem einigten sich die Mitgliedstaaten darauf, den Haushalt für 2026 um etwa 7 Prozent auf 3,45 Milliarden US-Dollar zu kürzen. Allerdings dauert die Finanzierungskrise noch an und der UNO könnte im Juli das Geld ausgehen.
Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. (Foto: Fabrice Coffrini/Pool via REUTERS) |
Risiken für die Rolle der UNO
Derzeit beeinträchtigen die finanziellen Schwierigkeiten alle Aktivitäten der UNO. Beispielsweise musste das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte (OHCHR) Personal in mehreren Ländern abbauen und einige Programme einschränken oder einstellen. 2025 wurde die Zahl der Dienstreisen dieser Organisation im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringert. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO musste im vergangenen Jahr ebenfalls Personalreduzierungen für die kommende Zeit planen.
Laut Beobachtern hat die Finanzkrise bei der UNO und ihren Mitgliedsorganisationen in den vergangenen Jahren zu vielen Herausforderungen der internationalen Gemeinschaft geführt. Denn diese Geschichte sei nicht nur in finanzieller Hinsicht begrenzt, sondern auch die schwächelnde Rolle der UNO bei der Lösung globaler Probleme, sagt die Professorin für Menschenrechte und Völkerrecht an der University College London, Veronika Fikfak:
„Eine Reihe von Ländern haben ihre Beiträge nicht gezahlt. In früheren Jahren sprangen andere Staaten ein und schlossen die Finanzierungslücke. In den letzten fünf bis zehn Jahren haben wir eine Haushaltskrise erlebt. Die UN und einige ihrer Organisationen haben ihre Aufgaben nicht erfüllt, nicht geplant und sich strategisch nicht an Diskussionen beteiligt. Ich möchte hier betonen, dass es eine Strategie gibt, die eine große und wichtige Institution der internationalen Beziehungen verkleinert und weniger effektiv macht.“
Das ist auch die Warnung vieler Experten. Wenn sich der „Null-Beitrag“-Effekt innerhalb der UNO verbreiten würde, würde diese Organisation zunehmend geschwächt und unfähig sein, ihre Aufgaben in Bezug auf Frieden, Sicherheit und sozialen Fortschritt in der Welt zu erfüllen. Dies könnte den Ländern viele Risiken bringen, zu einem Zeitpunkt, in dem die Welt die stärksten geopolitischen Änderungen seit dem Ende des Kalten Krieges erlebt.