(VOVWORLD) - Der Volksrat der Stadt Hanoi hat kürzlich einen Beschluss zu den Kerninhalten des Gesamtplans der Hauptstadt Hanoi mit einem Planungshorizont von 100 Jahren verabschiedet. Sie bildet die wichtige rechtliche Grundlage für die langfristige räumliche Entwicklung der Hauptstadt.
Die Kreuzung der Essstraßen Ta Hien und Luong Ngoc Quyen in der Altstadt Hanoi. |
Die Stadtentwicklung folgt einer strategischen Raumstruktur mit klarer Abgrenzung von Kultur-, Geschichts- und Landschaftsräumen entlang der Flüsse Da und Duong und des Roten Flusses. Eine wichtige Lösung ist die Neuordnung des Entwicklungsmodells hin zu einer polyzentralen, mehrschichtigen Stadtstruktur, um Bevölkerung, Produktions- und Dienstleistungsräume sowie Infrastruktur ausgewogen zu verteilen und den Druck auf den Stadtkern zu mindern. Der Architekt und Stadtplaner Ngo Trung Hai, Vizevorsitzender des Vietnamesischen Verbands für Stadtplanung und -entwicklung, erklärt:
„Der Beschluss des Volksrats integriert die Hauptstadtplanung und den allgemeinen Bauleitplan zu einer einheitlichen Vision. Ziel ist es, Hanoi klar auf der Landkarte der großen und sehr großen Städte der Welt zu positionieren, insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum.“
Der neue Gesamtplan sieht vor, dass Hanoi nicht nur politisches Zentrum bleibt, sondern auch zu einem zentralen Wachstumspol mit langfristigen Entwicklungsreserven wird. Gleichzeitig soll die Stadt eine führende, ausstrahlende Rolle für das Rote-Fluss-Delta, die Hauptstadtregion und das gesamte Land übernehmen. Der Parteisekretär von Hanoi, Nguyen Duy Ngoc, betont:
„Der 100-Jahres-Plan gestaltet nicht nur Stadt- und Landräume, sondern prägt Identität, wirtschaftlich-soziale Struktur und die enge Vernetzung Hanois mit der Region, dem Land und international. Politische Beschlüsse und das Hauptstadtgesetz bilden dabei das rechtliche Fundament zur Beseitigung struktureller Engpässe.“
Das alte Wohnviertel Vinh Ho in Hanoi. |
Die künftige Metropolregion Hanoi wird nach dem Modell eines „zentral ausgerichteten Städteclusters“ mit neun Wachstumspolen, neun großen Zentren sowie räumlichen Entwicklungsachsen entlang wichtiger Verkehrsadern geplant. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs, insbesondere der stadtweiten Schieneninfrastruktur. Ngo Trung Hai weiter:
„Die geplanten zehn Städtischen Bahnlinien sind der größte Durchbruch. Sie ermöglichen die Entwicklung neuer Satellitenstädte und machen das polyzentrale Modell erst praktikabel.“
Parallel dazu plant Hanoi eine schrittweise Entlastung der Innenstadt. Im Zeitraum 2026-2045 sollen insgesamt über 860.000 Einwohner aus dicht besiedelten Gebieten in neue urbane Zentren wie Dong Anh, Gia Lam oder Hoa Lac umsiedeln, bei gleichzeitig verbesserter Infrastruktur und Lebensqualität. Dazu sagt Ngo Trung Hai weiter:
„Wenn neue Zentren gute Arbeitsplätze, Infrastruktur und schnelle öffentliche Verkehrsverbindungen bieten, werden die Menschen freiwillig umziehen. So bleibt der historische Stadtkern erhalten.“
Mit einer Gesamtfläche von rund 3.360 km2 und 126 Verwaltungseinheiten richtet Hanoi den Blick bis zum Jahr 2100. Die größte Herausforderung besteht nun darin, die Vision mit starken rechtlichen Instrumenten, gesellschaftlichen Ressourcen und breitem Konsens umzusetzen – hin zu einer grünen, intelligenten und nachhaltigen Hauptstadt.