Nach fast 40 Jahren der Anziehung und Verwaltung von Auslandsinvestitionen mit vielen ermutigenden Erfolgen ist für Vietnam die Zeit für einen strategischen Wandel gekommen. Gemäß dem Beschluss Nr. 50 der Regierung zur Vervollkommnung der Institutionen und Politik sowie zur Steigerung der Qualität und Effizienz der ausländischen Investitionszusammenarbeit, werden direkte Auslandsinvestitionen in der neuen Entwicklungsphase weiterhin eine wichtige Ressource für Vietnam bleiben. Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht mehr auf der rein quantitativen Anziehung, sondern auf der Auswahl qualitativ hochwertiger Projekte, die die gesamte Wirtschaft beeinflussen können. Hoang Van Cuong, Vorsitzender des Verbands für Wirtschaftswissenschaften, ist der Meinung:
„Wir gehen zu einer Strategie der Anziehung von FDI der neuen Generation über. Dabei geht es nicht mehr nur um reinen Kapitalzufluss, sondern zwingend um den damit verbundenen Technologietransfer sowie die Schaffung von Spillover-Effekten zwischen den FDI-Unternehmen und heimischen Unternehmen. Dadurch werden die Leistungsfähigkeit der inländischen Unternehmen sowie die Qualifikation der Arbeitskräfte verbessert.“
Um diese Ausrichtung umzusetzen, hat sich Vietnam in letzter Zeit auf mehrere Schlüsselbereiche konzentriert. Dazu zählen Vervollkommnung von Institutionen, selektive FDI-Anziehung, synchrone Modernisierung der Infrastruktur sowie die Entwicklung von High-Tech-Personal. Auf dem jüngsten Vietnam Connect Forum 2026 sagte Vizepremierminister Nguyen Van Thang:
„Für Vietnam ist dies sowohl eine Herausforderung als auch eine enorme Chance, seine Rolle in der regionalen und globalen Wertschöpfungskette neu zu positionieren. Bei der Erneuerung seines Wachstumsmodells basiert das Land auf Wissenschaft, Technologie, Innovation, digitaler Transformation, grünem Wandel und Entwicklung der Privatwirtschaft.“
Bui Thu Thuy, stellvertretende Leiterin der Behörde für ausländische Investitionen im Finanzministerium, erklärte, Vietnams konsequenter Standpunkt sei es, die FDI weiterhin als wichtigen Wachstumstreiber zu betrachten, der jedoch die inneren Kräfte nicht ersetzen könne:
„Zum jetzigen Zeitpunkt wünschen wir uns, dass die nach Vietnam fließenden FDI-Ressourcen neben Kapital auch Wissen, Technologie, Veränderungen in den Managementmethoden und bei den Standards mit sich bringen. In dem neuen FDI-Konzept, das wir derzeit ausarbeiten, streben wir an, dass Vietnam nicht nur ein Zielort für Kapital ist, sondern eine bestimmte Position in der globalen Wertschöpfungskette einnimmt. Bei ausländischen Direktinvestitionen geht es uns nicht mehr nur um Zollpräferenzen. Vielmehr erwarten wir, dass ausländische Investoren schrittweise Technologien transferieren und heimische Unternehmen schulen.“
Vietnams Ziel bis 2030 ist es, die FDI-Qualität zu verbessern und die Lokalisierungsquote zu erhöhen. Für den Zeitraum 2035-2045 strebt Vietnam an, zu einem regionalen Technologiezentrum zu werden, wobei sich die FDI stark auf Forschung und Entwicklung sowie Innovation verlagern sollen. Vizepremierminister Nguyen Van Thang wies darauf hin, dass Vietnam bereits bahnbrechende Lösungen umsetze:
„Wir werden die Vervollkommnung von Institutionen weiter vorantreiben und das Investitions- und Geschäftsumfeld massiv verbessern. Die Regierung wird Verwaltungsverfahren weiterhin erleichtern, um günstige Bedingungen für Investitions- und Geschäftsaktivitäten zu schaffen. Die Dezentralisierung parallel zu einer verstärkten Aufsicht wird vorangetrieben. Auch die umfassende Digitalisierung wird gefördert. Vietnam priorisiert die Anziehung von Projekten in den Bereichen Halbleiter, Elektronik, Künstliche Intelligenz, Daten, Biotechnologie, Pharmazie, saubere Energien, neue Materialien, moderne Logistik, Finanzdienstleistungen, Innovation und in strategischen Technologiebranchen.“
Vor dem Hintergrund, dass Vietnam ein zweistelliges Wachstum anstrebt, ist die Anziehung von FDI-Strömen der neuen Generation von besonderer Bedeutung, um Entwicklungsressourcen zu ergänzen.
