(VOVWORLD) - Der Export im Jahr 2026 markiert einen neuen Entwicklungsschritt: Neben steigenden Umsätzen geht es zunehmend um eine strukturelle Neuausrichtung des Wachstumsmodells. Die Regierung setzt sich ein Wachstumsziel von 15 bis 16 Prozent für den Export, entsprechend 546 bis 550 Milliarden US-Dollar. Die Herausforderung liegt dabei weniger im Marktzugang als in Qualität, Eigenständigkeit und ökonomischer Resilienz.
Vietnam strebt Textil- und Bekleidungsexportvolumen von 50 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 an. |
Vietnam verzeichnet seit 2016 zehn Jahre in Folge Handelsüberschüsse. Die Zahl der Märkte mit einem Exportvolumen von über einer Milliarde US-Dollar ist deutlich gestiegen. Freihandelsabkommen wie die umfassende fortgeschrittene transpazifische Wirtschaftspartnerschaft (CPTPP), das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam und das regionale umfassende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (RCEP) wirken weiterhin als wichtige Hebel und erschließen hochwertige Märkte mit hohen Standards.
Gleichzeitig bedeutet ein anhaltender Handelsüberschuss nicht automatisch starke Binnenstrukturen. In vielen Schlüsselbranchen bleibt der inländische Wertschöpfungsanteil begrenzt. Die Abhängigkeit von ausländischen Direktinvestitionen und importierten Vorprodukten macht die Wirtschaft anfällig für globale Lieferkettenstörungen. Die neue Wachstumsmarke 2026 steht daher für einen Strukturwandel: höherer Technologieanteil, stärkere Lokalisierung und gezielte Diversifizierung der Absatzmärkte. Dazu Tran Thanh Hai, stellvertretender Leiter der Export-Import-Abteilung im Industrieministerium:
„Die Diversifizierung der Export- und Importmärkte ist eine zentrale Strategie, um Risiken durch einseitige Abhängigkeiten zu verringern. Ist ein Markt erschlossen, folgt die Handelsförderung, einschließlich Markenaufbau sowie Maßnahmen wie Rückverfolgbarkeit und Herkunftsnachweis. Dadurch wird unsere Exportförderung deutlich effektiver.“
Angesichts zunehmenden Protektionismus bedeutet Diversifizierung jedoch nicht nur die Erschließung neuer Märkte, sondern auch die gleichzeitige Erfüllung unterschiedlicher technischer Standards.
Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Arbeits- und Umweltstandards sowie CO2-Grenzausgleichsmechanismen schaffen neue Handelsbarrieren. Ohne grüne Transformation verlieren Kostenvorteile schnell an Bedeutung. Viele Unternehmen reagieren bereits mit Technologieinvestitionen. Le Xuan Vy, stellvertretender Generaldirektor der Aktiengesellschaft für Investitionen und Handel TNG, erklärt:
„Wir konzentrieren uns stark auf technologische Innovation, um Produktivität und Qualität zu steigern und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Neue Technologien verbessern Design und Qualität und helfen, steigende Kundenanforderungen zu erfüllen. Unsere Kernstrategie ist die gleichzeitige Investition in Technologie und Humankapital, was entscheidend für nachhaltiges Wachstum ist.“
Parallel dazu baut Vietnam den Export von Dienstleistungen aus, von Informationstechnologie über Logistik bis zu Finanz-, Tourismus- und Bildungsangeboten. Dies erhöht die Gewinnmargen und reduziert die Ressourcenabhängigkeit.
Auch Phan Duc Hieu, ständiges Mitglied des Wirtschaftsausschusses des Parlaments, plädiert für einen umfassenderen Ansatz:
„Die Exportstrategie muss Dienstleistungen einbeziehen und alle Chancen nutzen. Auch kleine und mittlere Unternehmen mit innovativen Produkten haben Exportpotenzial. Eine neue Strategie muss breiter und umfassender angelegt sein.“
Das Jahr 2026 gilt damit als Schlüsseljahr für einen neuen Wachstumszyklus. Die neue Wachstumsmarke ist nicht nur eine Kennzahl, sondern auch Ausdruck realer Wettbewerbsfähigkeit, strategischer Eigenständigkeit und einer tief integrierten, unabhängigen Volkswirtschaft. Nachhaltiges Wachstum basiert künftig auf Qualität, grüner Transformation und Innovation.