Die wichtigsten Trends 2026

(VOVWORLD) - Die Welt tritt in das Jahr 2026 mit großen Unsicherheiten ein. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und die Klimakrise schüren Sorgen, während der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) zugleich neue Hoffnungen weckt. 
Die wichtigsten Trends 2026 - ảnh 1Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. (Foto: REUTERS/Stephanie Lecocq)

In Wirtschaftsprognosen Ende 2025 gehen zahlreiche Finanz- und Wirtschaftsorganisationen davon aus, dass sich das globale Wachstum 2026 gegenüber 2025 verlangsamt. Gleichzeitig bleibt Spielraum für Impulse durch technologische Innovationen.

Geopolitische Spannungen

Am Dienstag stellte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen 20-Punkte-Friedensplan vor, der gemeinsam mit den USA und mehreren europäischen Staaten ausgehandelt wurde. Sein Schicksal, ebenso wie die Umsetzung der zweiten Phase des Gaza-Friedensplans und weitere Konfliktherde, wird maßgeblich bestimmen, ob geopolitische Spannungen auch 2026 das weltpolitische und wirtschaftliche Umfeld dominieren. Experten des britischen Thinktanks Chatham House warnen, dass die globale Sicherheit wegen anhaltender Konflikte weiter unter Druck bleibt. Neil Melvin, Direktor für internationale Sicherheit am Royal United Services Institute (RUSI), sieht die seit dem Arabischen Frühling anhaltende geopolitische Instabilität auch 2026 als zentrales Risiko.
„Wir erleben eine sehr besorgniserregende Entwicklung, bei der Großmächte zunehmend in direkte Konfrontationen gedrängt werden, regional wie global.“

Die wichtigsten Trends 2026 - ảnh 2IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas. (Foto: IWF/REUTERS)

Diese Unsicherheiten spiegeln sich in den Wachstumsprognosen wider. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet 2026 mit einem globalen Wachstum von rund 2,9 Prozent, nach etwa 3,2 Prozent im Jahr 2025. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet rund 3,1 Prozent. Als Risiken gelten vor allem anhaltende Zölle, Belastungen für exportabhängige Volkswirtschaften und geopolitische Unwägbarkeiten. Gleichzeitig könnte technologische Dynamik, insbesondere durch KI, zum Wendepunkt werden. Dazu IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas: 

„Einige wichtige Entwicklungen könnten das wirtschaftliche Gesamtbild rasch aufhellen. An erster und entscheidender Stelle steht der Abbau politischer Unsicherheiten durch bilaterale und multilaterale Handelsabkommen sowie durch Zollsenkungen, die das Wachstum kurzfristig ankurbeln können. Darüber hinaus verfügt KI über ein erhebliches Potenzial zur Steigerung der Produktivität. Viele Menschen nutzen KI bereits und können die Vorteile, die sie bringt, bestätigen.“

Die Frage rund um KI

Doch KI wirft auch neue Fragen auf. Der Begriff einer möglichen „KI-Blase“ gewann 2025 an Bedeutung. Carl-Benedikt Frey vom Oxford Internet Institute warnt, dass sich die Einführung von KI zuletzt verlangsamt habe.

„Es ist durchaus möglich, dass KI eine großartige Technologie ist, zugleich aber eine Branche mit geringen oder gar keinen Gewinnen bleibt, weil der Wettbewerb extrem hart ist. Derzeit erleben wir eine sehr starke Konkurrenz, insbesondere durch Open-Source-Modelle aus China, die die Gewinne weiter unter Druck setzen. Die zentrale Frage lautet daher, ob 2026 das Jahr sein wird, in dem die KI finanziell platzt – und was mit dieser Technologie geschieht, falls die Blase tatsächlich zerbricht.“

Ein weiterer zentraler Faktor bleibt die Klimakrise. 2025 beliefen sich die weltweiten wirtschaftlichen Schäden durch Extremwetter auf rund 135 Milliarden US-Dollar. Experten warnen, Klimarisiken stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen. Laut Ana Yang von Chatham House verlagert sich der Fokus globaler Klimapolitik zunehmend von Emissionsminderung hin zu Anpassung – ein Trend, der auch auf dem UN-Klimagipfel COP 30 in Belem im November diskutiert wurde. Langfristig bleibe jedoch die Reduzierung von Emissionen entscheidend, betont Emily Theokritoff vom britischen Grantham Institute für Klimawandel und Umwelt.
„Entscheidend ist eine Reduzierung der Emissionen, um zu verhindern, dass klimabedingte Extremereignisse noch gravierender werden, denn auch die Anpassung hat ihre Grenzen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass negative Auswirkungen selbst bei bester Vorbereitung nur schwer vollständig zu vermeiden sind.“

Insgesamt erwarten Beobachter, dass die zentralen Trends aus 2025 auch 2026 prägen werden. Wie stark sie sich auswirken, hängt von der politischen Steuerungsfähigkeit einzelner Staaten und der Erneuerung multilateraler Strukturen ab, die trotz großer Herausforderungen zuletzt eine gewisse Widerstandsfähigkeit gezeigt haben.

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