Spannungen zwischen Indien und Pakistan spitzen sich zu
Quang Dung -  
(VOVWORLD) - Die Spannungen zwischen den beiden südasiatischen Nachbarn Indien und Pakistan haben in den letzten Tagen zugenommen. Beide Seiten haben schwere Militäraktionen gegeneinander geführt, was Besorgnis in der internationalen Gemeinschaft ausgelöst hat.
Die indische Armee hat am frühen Morgen des 7. Mai Luftangriffe auf viele Ziele in der von Pakistan kontrollierten Region Kaschmir und der pakistanischen Provinz Punjab geführt. Damit reagierte Indien auf den Terroranschlag vom 22. April in der Stadt Pahalgam im Bundesstaat Jammu und Kaschmir, bei dem 26 Menschen getötet wurden.
Schnelle Eskalation
Die Angriffe der indischen Armee am Morgen des 7. Mai waren die größte Militäraktion, die dieses Land seit Jahrzehnten auf pakistanischem Territorium durchgeführt hat. Diese Luftangriffe zielten nicht nur auf Stellungen, die von Indien als „terroristische“ Infrastruktur im pakistanisch kontrollierten Kaschmir bezeichnet wurden, sondern auch auf Orte in der Provinz Punjab tief im Inneren Pakistans. Nach Angaben aus Pakistan wurden 31 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Als Reaktion darauf hat Pakistan am 8. Mai auch Raketen und Drohnen im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir abgefeuert. Pakistan erklärte daraufhin, mehrere Kampfjets und Drohnen seines Nachbarlandes abgeschossen zu haben. Laut Michael Kugelman, Direktor des Südasien-Instituts des Woodrow Wilson Center in den USA, hat der militärische Konflikt zwischen Indien und Pakistan in kürzester Zeit das Ausmaß des letzten großen Konflikts zwischen den beiden Ländern im Jahr 2019 übertroffen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres war inzwischen der Meinung, dass sich die Welt eine bewaffnete Konfrontation zwischen den beiden Staaten nicht leisten könne.
„Machen Sie keinen Fehler: Eine militärische Lösung ist keine Lösung. Wir sind bereit, beide Regierungen bei ihrer Suche nach Frieden zu unterstützen. Die Vereinten Nationen sind bereit, jede Initiative zu unterstützen, die zur Deeskalation der Spannungen beiträgt, Diplomatie fördert und das Engagement für den Frieden neu belebt.“
Unmittelbar nach dem Terroranschlag vom 22. April in Pahalgam setzte Indien auch den Indus-Wasservertrag aus, der die Wasserverteilung zwischen Indien und Pakistan regelt. Derzeit sind 80 Prozent der bewässerten landwirtschaftlichen Flächen Pakistans von den Wasserressourcen der indischen Flüsse abhängig, die im Rahmen dieses Vertrags verwaltet werden.
Maßnahmen zur Deeskalation
Neben den Vereinten Nationen riefen auch die Großmächte die USA, Russland, China und die Europäische Union (EU) Indien und Pakistan auf, sich zurückzuhalten, militärische Vergeltungsmaßnahmen unverzüglich einzustellen und Differenzen im Zusammenhang mit Terrorismusvorwürfen bzw. -finanzierung auf diplomatischem Wege beizulegen. Am Donnerstag sind Diplomaten aus dem Iran und Saudi-Arabien in Indien eingetroffen, um eine vermittelnde Lösung zwischen den beiden Konfliktparteien zu suchen.
Einige Beobachter glauben, dass Indien und Pakistan die Situation unter Kontrolle bringen werden. Shashank Joshi, ehemaliger leitender Forscher am britischen Royal United Services Institute (RUSI), kommentierte:
„Es gibt einige Elementen, die die Spannungen entschärfen könnten. So betonte Indien insbesondere, dass die Luftangriffe keine Militärstandorte Pakistans getroffen hätten. Das heißt, dass es die pakistanische Armee nicht angegriffen habe. Die Operation sei sehr sorgfältig geplant gewesen. Damit sendet Indien ein Signal an Pakistan, dass dies nicht der Beginn einer größeren Eskalation ist.“
Die meisten Beobachter sind zudem der Ansicht, dass es sowohl Indien als auch Pakistan durchaus bewusst seien, dass ein umfassender Konflikt keiner der beiden Seiten nützen würde. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich sowohl Indien als auch Pakistan hohe Ziele setzen, Auslandsinvestitionen anzuziehen und ihr Image als aufstrebende globale Wirtschaftsmächte aufzubauen.
Quang Dung